Der Kragenbär vom Nordwestradio

Soll man einen politischen Kommentar, der einem das Recht der Teilnahme an einer Demokratie absprechen möchte, überhaupt eines Blickes würdigen? Kann man das überhaupt, wenn er im Radio gesendet wurde? Noch dazu im Spartensender Nordwestradio? Da gibt es einen „rasenden Reporter“ (eigene Aussage) namens René Möller, der Kommentare macht, wenn ihm „mal der Kragen geplatzt ist“. Zum Beweis dafür gibt es ein Foto ohne Kragen auf der Senderhomepage. (Es gibt zum Glück noch ein Foto von direkt vor der Kragenplatzung hier. Man sieht es bereits rumoren.) 

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Mein Thema auf der re:publica oder wie man in 30 Minuten 2000x Kompetenz sagen kann

Ein Novum in diesem Blog, ein absolutes totales Obernovum: Ich blogge live, über einen Vortrag, der mein Thema gekapert hat. Fragen werden aufgeworfen über Kompetenzen, die ich gestern auf der PixoonaBuzz-Tour bereits beantwortet habe. Von Andreas Schleicher vom Directorate for Education and Skills der OECD, einem der Verantwortlichen der PISA-Studie, wird der selbe altbackene Kompetenz-Quark zusammengerührt, der noch heute den Lesern vergangener OECD-Studien aus den Ohren herausläuft. Hohe Anforderungen, ständige Leistungsevaluation, Kompetenzen entwickeln, jeder ist seines eigenen Glückes Schmied, wer im Glashaus sitzt hat Gold im Mund etc.

„Kompetenz ist die Währung des 21. Jahrhunderts, aber mit hoher Inflation“ sagt er stolz in den Raum hinein, als wohne diesem Satz irgendeine Bedeutung inne. Man könnte lachen, wenn es nicht so erschreckend wäre. Ich werde jetzt noch ein bisschen darauf warten, ob er erklärt, wie man mit hohen Anforderungen und ständiger Evaluation kleinen Menschen Kompetenzen in den Kopf prügelt, unter Anderem die Kompetenz kreativ zu denken. Ich fürchte nur, ihm fällt der Widerspruch schon lange nicht mehr auf, wenn er ihn überhaupt je erkannt hätte. Alles in Allem komme ich mir vor wie bei der Charakter-Erstellung in einem Rollenspiel, wo ich 20 Credits bekomme, um meine Fähigkeiten zu entwickeln. Ein Trauerspiel.

Die Enttäuschung sitzt tief…

Bianca hat auf ChiliConCharme zu einer Blogparade aufgerufen. Wie könnte ich mich dem entziehen?

„Wir müssen begreifen, warum digitale Vernetzung nicht in die Demenz führt, sondern Teil der Lösung all unserer Probleme ist, warum sie dafür die Lernrealität der Kinder durchdringen muss und warum unser gegenwärtiges Bildungssystem das nicht leisten kann. Und natürlich auch, wie wir es richtig machen müssen.“

Das ist die von mir ausgedachte Motivation für ein Publikum, meinem Vortrag zu lauschen. Ist das nicht genug? Wieso darf ich nicht? Was ist an meinem Vortrag nicht veranstaltungstauglich? Warum passt er nicht ins Programm?

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Wenn es denn was bringt…

…rufe ich gerne auf, für mich zu stimmen, auf dass ich bei der re:publica 13 mit einem rasiermesserscharfen Vortrag zum Thema Bildung dabei sein kann. Leider hat niemand zu einer Abstimmung aufgerufen. Also hilft nur Daumen drücken. Vielleicht. Oder zwischendurch einfach mal was aus dem Archiv lesen.

Pisa Bolognese – Neue Wege in den Abgrund

Deutschland verblödet, da gibt es kein Vertun, das haben wir schriftlich. Was wir aber nicht schriftlich haben ist, warum Deutschland verblödet. Klar, diversen Bundespräsis ruckt es zu wenig in den Kuschelecken unserer Schulen, oder es gibt zu wenig deutschsprachigen Islam-Unterricht. Aber das war ja früher nicht anders, als wir noch die Bildungselite dieses Sonnensystems produzierten. In den Schulen hat sich seither nichts geändert, folglich müssen die Probleme andernorts zu finden sein, wo Kindern Bildung widerfährt, nämlich Zuhause.

Ein besonders einschneidender Moment in der Kinderaufzucht ist jener Zeitpunkt, an dem das Kind seinem aktiven Wortschatz die Vokabeln ›wieso‹, ›weshalb‹, ›warum‹ hinzufügt, denn dann wird gefragt, bis der Gefragte klein beigibt. Hier werden die Weichen für zukünftiges Forschungsverhalten des Kindes gestellt, denn wir wissen aus zuverlässigen Quellen, die aus Gründen des Datenschutzes an dieser Stelle nicht genannt werden wollen, dass Kinder situativ lernen und ihre Lernstrategie anhand ihrer Erfolge wie auch Misserfolge anpassen. Aus der PISA-Studie der OECD wissen wir aber auch, dass deutsche Kinder in ihren Anpassungsstrategien international hinterherhinken. Daher ist es an der Zeit, diese Defizite anhand des folgenden Beispieldialogs zu untersuchen. In diesem Szenario unterhält sich ein zunächst geschlechtsloses Elternteil mit einem ebenso geschlechtslosen Kind im Kindergartenalter.

»Du musst jetzt ins Bett.« – »Warum?« – »Es ist schon spät.« – »Wieso?«

Hier verläuft in der Regel der erste Kommunikationsbruch, weil dieser Sachverhalt auf die Schnelle nicht kindgerecht zu erklären ist. Also geht’s einfach irgendwie weiter:

»Du musst morgen wieder früh raus.« – »Warum?« – »Weil Kindergarten ist.« – »Warum?« – »Weil morgen Dienstag ist.« – »Warum?« – Weil heute Montag ist und der Tag nach dem Montag nun einmal Dienstag heisst.« – »Warum?«

Und ehe man sich’s versieht hat man eine Diskussion über Sprachgeschichte am Hals, ein äußerst undankbares Thema, wenn man Vierjährige ins Bett bringen möchte.

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Der Faktencheckadigga tweetet Plumperquatsch

Hurra! Endlich ist die Idee des Fernsehduells so verdorben, dass sie auch bei uns mehr und mehr Fuß zu fassen vermag. Sogar die eher subnationale B-Prominenz der Ministerpräsis und Provinzbürgermeister darf sich gegenseitig auswendig gelernte parteiprogrammatische Floskeln aufsagen. Und wie es unsere moderne Welt so will, wird dieser belanglose Quatsch auch noch per Twitter von SM-affinen Parteisoldaten derart zum politisch relevanten Event hochgejazzt, dass mir beinahe das Smartphone ins Klo gefallen wäre. (Keine Sorge, verehrte Follower, ich schreibe nichts auf dem Klo, ich lese dort nur. Meine Tweets und Blogeinträge sind klofrei).

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Ich fordere Gerechtigkeit

Da ich echt angesäuert bin über diese elende Feiertagsungerechtigkeit, dieses heuchlerische wir gedenken (*hicks) einer wichtigen und (*børp) halli… heiligen Tradission…  fordere ich die Stadt Oldenburg auf, folgende Feiertage, die auf ernsthaften, tatsächlichen kulturellen Gepflogenheiten gründen, kommunalgesetzlich zu verankern und notfalls mit militärischer Gewalt durchzusetzen. Ein paar Fallschirmjäger haben wir ja noch. Sonst polizeilich:

1. Boßel- und Mettag in Gedenken unser tapferen Vorfahren, die den Römern und Christen so lange Paroli geboten haben, bis sie sich dem Suff und wirren Spielen hingeben mussten. Irgendwann im November.

2. Katzenjammer: der Tag nach dem Boßel- und Mettag – den werden wir brauchen.

3. Tannewech: der erste Montag im Januar, es sei denn es handelt sich um den ersten Januar. Dann eine Woche später.

4. Christi Kohlfahrt: Der erste Montag im Februar.

5. Christi Katzenjammer: Der Tag nach Christi Kohlfahrt.

6. Maria (oder Mariä) Kohlfahrt: Der dritte Montag im Februar.

7. Maria Katzenjammer: Der Tag nach Mariä (oder Maria) Kohlfahrt.

Fehlen noch welche?

 

re:publica re:dux – Part 2

Hier werden die gesammelten Umsätze der Grill- und Getränketheken gegen schmales Geld den Eigentümern wieder zugeführt.

Der zweite Teil meiner re:publica 12 Berichterstattung, in welchem ich den Nerdkönig über den grünen Klee lobe, weil er inhaltlich „spot on“ ist, obwohl er das zu unscharf und schwurbelig verpackt.

Einer der wichtigsten Aspekte auf einer Veranstaltung wie der re:publica ist ja das… nee, ich muss kurz mal zurückspulen. Das vielleicht wichtigste an einer Veranstaltung wie der re:publica ist, dass es einem gelingt, den Leuten, die da nicht hingehen, zu erklären, was das für eine Veranstaltung ist und warum man da hingeht (und sie eben nicht). Ich hatte beinahe darum gebeten, dass man mir das im Vorfeld so erklärt, dass ich’s weitererzählen kann, aber irgendwie mache ich das doch lieber selber.

Nächstes Jahr.

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Ich entschuldige mich in aller Form, auch im Namen meiner Eltern…

…dafür, dass ich meinen letzten Blogpost mit einem sehr, sehr langen Satz begonnen und damit die Netzgemeinde über alle Maßen provoziert habe. Seit Erscheinen des Artikels haben mich hunderte geharnischter Zuschriften erreicht, in denen aufgebrachte Menschen ebenso wütende wie wirre Mono- und Dialoge über Themen und in Sprachen führten, die ich nicht verstehe. Das alles tut mir unendlich leid und ich will es wieder gut machen. Hier also die Botschaften des sehr, sehr langen Satzes in vernünftiges, lesbares Deutsch gekleidet. Nochmal sorry.

Im letzten Jahr war mein erster re:publica Besuch. Deswegen war ich ein 2.0-Toddler. (Toddler ist ein Lehnwort aus dem Englischen. Lehnwörter aus dem Englischen zu verwenden ist nicht aus der Mode geraten.) Es gab dort viele neue Eindrücke für mich. Die musste ich erst einmal eine zeitlang verarbeiten. Die Verarbeitung hat mich sehr geprägt. Sie hat meine Wahrnehmung verändert. Hätte ich durch diese Veränderung Superkräfte erhalten, wäre ich ein Superheld geworden. So einer wie aus den Comics aus dem Hause Marvel. Die vielen Eindrücke aufzuschreiben war sehr anstrengend. Dieses Jahr ist es nicht mehr anstrengend, weil ich mich jetzt dazugehörig fühle. Darum fiel es mir auch nicht schwer einen sehr, sehr langen Anfangssatz zu schreiben. (So wie Hemingway. Hemingway hat auch lange Sätze geschrieben. Sven Regener aber auch. Sven Regener mag sich nicht gerne ins Gesicht pinkeln lassen. Brecht hat auch lange Sätze geschrieben. Aber wer Hemingway nicht kennt, der kennt Brecht vielleicht auch nicht.)

Sorry, nochmal. Echt. Jetzt hier weiterlesen.

re:publica re:dux – Part 1

Eine der Personen in diesem Bild wird möglicherweise von ihren Freunden Mogli genannt. Vielleicht aber auch nicht.

Der Auftakt meiner re:publica 12 Berichterstattung: eine würdige Keynote, Monster unter Möbeln und ein ziemlich langer Anfangssatz.

War ich im letzten Jahr bei meinem ersten re:publica-Besuch noch ein 2.0-Toddler (Lehnwörter aus dem Anglo-Normannischen Sprachraum sind heuer wieder enorm en vogue), staunend mit der Neuralisierung des synaptisch fordernden Informationsangebots beschäftigt und erst nach Tagen imstande, diese kognitive Transformation, die einer marvelschen Superheldenwerdung gleich gekommen wäre, hätte sie mir Superkräfte beschert, mühevoll in wohlfeile Worte zu kleiden, so fällt es mir nach der letztjährigen Initiation dank eines der Verleihung einer digitalen Citizenship sich zumindest verwandt anfühlenden rituellen Erkenntnisgewinns nicht mal ansatzweise schwer, diesen Hemingwaynesken Anfangssatz, schnörkelbehaftet zwar, doch dabei nicht minder elegant zu Blogge zu tragen (wem der Name Hemingway nichts sagt, der möge sich ein paar atemlose Sätze Sven Regeners reinziehen, der sich unlängst fernab der lesenden oder Musik kaufenden Gesellschaft als Gegner erotischer Wasserspiele ins Gespräch brachte; Brecht hat seinerzeit auch so manches Ungetüm versyntaktet, aber wem Hemingway nichts sagt, dem muss ich mit Brecht wohl auch nicht kommen). So musste ich damals lange über Sinn und Relevanz der Keynote pondern (siehe Anmerkung oben), um schließlich messerscharf zu folgern, dass sich ein Kontext zur re:publica nur platitüdenhaft herstellen ließ (jeder ist seines eigenen Designs Schmied, oder so ähnlich). Dieses Jahr gab es zum Ausgleich dafür eine Diskursklatsche vom Allerfeinsten.

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Gefahr von links

Beim Durchforsten meines Blogs stieß ich gerade auf diese kleine Maiglosse aus dem Januar 2011. Damals dachte man noch an Johnny Depp wenn jemand Pirat sagte und die FDP saß noch in frisch gewählten Regierungen. Darum ist das Glõsschen schon ein wenig schal, aber zum 1. Mai kann man sowas schon mal rausgeben.

Aus Parteipolitik wollte ich mich ja eigentlich heraushalten und auf den kollektiven Politkerbashingzug aufzuspringen bereitet mir ebenfalls Unbehagen. Aber ich spüre hier meine historische Verantwortung all jenen gegenüber, die bei Wahlen irgendwo ihr Kreuzchen machen, in der Hoffnung, irgendein Arsch werde ihre persönlichen, von Eigensinn befeuerten Schrullen schon bedienen. „Die ander’n kannste ja auch alle nicht wählen“, sagen sie dann und haben dabei leider nicht mal so ganz Unrecht. Seit der Wählerschaft mehr und mehr dämmert, dass die Parteien keine politischen Visionen haben und, wenn man Altkanzler Schmidt glauben darf, auch nie gehabt haben, lässt es sich leichter auf die Hausierer eingehen, die uns Partikularinteressen als einzig erfolgsverheißende gesellschaftliche Umwälzpumpe verkaufen wollen.

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Willkommen im eMeer (oder iMeer?)

Heute ist mein prima Bildungsroman Willkommen im Meer als eBook und iBook erschienen. Das Buch ist prima, weil es unser obsoletes Bildungssystem aber so was von an den Pranger stellt und dabei nicht mit Verachtung gegenüber boshaften Lehrern geizt (die freundlichen und kompetenten Lehrer kommen eigentlich ganz gut weg), das ganze sprachlich meisterhaft menschelnd transportiert und dabei auf umwerfende Weise Sozialkritik aus den großen Wortkalibern meiner semantischen Artillerie verschießt, kurzum: mein lieber Herr Gesangsverein, was für ein feines Werk.

Wer sich nun dem schweißtreibenden Zwang der Entscheidungsfindung ausgesetzt sieht, ob sie/er das Buch aus Holz oder Strom erwerben soll, von wegen Anfassen oder nicht, am Strand lesen oder im Bett, dem Autor helfen oder was weiß ich: das ieBook ist billiger und beschert mir rätselhafterweise mehr Profit (immer noch spärlich, aber immerhin).

Also: kaufen, lesen und hier mit mir und anderen Lesern diskutieren, Rezensionen schreiben. verbreiten und diesen Blog lesen, der sich von nun ab wöchentlich meldet (glaube ich).