Allem Anfang wohnt ein Zaudern inne!

mondspiegel4Es gibt ja so viel zu schreiben, so vieles zu berichten. Ich weiß das, weil ich viel lese. Bücher, Zeitungen, Blogs, etc. Und überall wird geschrieben und berichtet, was das Zeug hält. Ich habe schon so manchen Kommentar zu mir genommen, zu dessen Thema ich noch nicht einmal erste Gedanken fabriziert hätte, und trotzdem hat da schon jemand gleich drei Zeitungsspalten zu vollgemacht. Alles Spezialisten, möchte man da denken. Sonst wüssten die ja so schnell gar nichts mit neuen Themen anzufangen, nicht wahr?

Nun ja, so einfach scheint‘s dann doch nicht zu sein. Aus so mancher Meinung quillt dann doch heraus, dass sich da jemand eben nicht so recht Gedanken gemacht hat, aber gerne Erster sein wollte. Das scheint phänotypisch für den Homo Competitus, von dem hier noch öfter die Rede sein wird.

Die üblichen Verdächtigen sind dabei nicht einmal die Journalisten selbst, sondern die Experten, deren Gedankenquark sie wiedergeben. Mein ausgemachter Liebling unter den Experten ist zurzeit H.-W. Sinn. Ursprünglich wollte ich dem Mann meinen ersten Roman widmen (ein Fantasy-Epos), weil er mir den Glauben an Trolle und andere Kreaturen, deren Existenz ich meiner als Kind gewiss war, zurückgegeben hat. Ich habe das dann aber doch lieber gelassen, zumal ich mir nicht sicher war, ob eine solche Widmung nicht etwa suggerierte, ich hielte H.-W. Sinn für einen Troll. Mit einer solchen Interpretation hätte ich mich womöglich vor Gericht wiedergefunden und meinem Buch eine unlautere Öffentlichkeit beschert, ob derer ich mich hätte schämen können, wo nicht gar müssen.

Jener Sinn, der schon manches Mal zum Besten gegeben haben soll, wie richtig und natürlich es ihm erscheine, dass es Menschen – oder Wesen – gebe, die ihm bei der Entsorgung seines Mülls und seiner Exkremente behilflich sind, ihm die Klauen maniküren, ohne dass man sie dafür über Gebühr entlohne, fand sich des öfteren schon als Spottziel in einschlägigen Magazinen wie titanic, mit denen zu konkurrieren mir talentseitig aber auch so was von fremd ist, dass ich schlussendlich auf die Nennung des Besagten verzichten mochte.

Mir war halt lediglich aufgefallen, dass der Mann in den letzten Jahren – sollte meine Erinnerung nicht trügen – so manches Mal verkündet habe, wie unumstösslich richtig und alternativlos der freie Markt als alleinige Daseinsform für uns Menschen doch sei. Vermutlich war ihm, als er geblendet vom Ende des Regenbogens auf seinem Goldtöpfchen saß, nichts anderes mehr eingefallen vor lauter Gold als noch mehr Gold.

Das wäre ja nicht weiter schlimm, wenn nicht gerade diese Unfähigkeit zu perspektivischem Denken ihn zu einem Experten in unserer Mitte machte. Und jetzt, da wir bereits zu ahnen beginnen könnten, dass sein an Reizen armer Gesellschaftsentwurf nicht zukunftsfähig ist, wird er nun auch als Experte für die Krise zu Lösungen und Auswegen aus derselbigen befragt. Wenn er denn nicht gerade den Quassel-Automaten für die Atomlobby spielt, wo er den Anwesenden Lobbyisten und Konzernlenkern das Diner mit jenen wohlfeilen Worten veredelte, welche sie schon immer am liebsten vernommen haben.

Und genau deswegen möchte ich nicht so gerne über H.-W. Sinn schreiben. Es gibt ja noch so viele andere Themen. Fangen wir einfach an.

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