Kaum haben Kai und ich das Skypen angefangen, hat es sich schon zur täglichen Gewohnheit entwickelt. So hab ich ihn auch gefragt, ob ich den heutigen Blogbeitrag in Anlehnung an Douglas Adams „Don’t panic!“ nennen darf. Schließlich soll es hier darum gehen, wie das mit der Reha für ihn war – Douglas Adams würde sagen: Kai musste rausfinden, wo sein Handtuch ist. Und das war alles andere als lustig: 

„Ich dachte, es würde mit der Zeit einfacher für ihn werden“, erinnert sich seine Frau Raja. „Aber je wacher er wurde, umso mehr begriff er, was alles nicht mehr ging…“ Zunächst wurde Kai am 8. Juni 2015 in die Früh-Reha verlegt. In Oldenburg gab es jedoch keine passende Einrichtung. Die nächste Möglichkeit war Lingen und das bedeutete anderthalb Stunden Fahrt für Raja, die ja auch noch Arbeit, Kinder und Haushalt zu organisieren hatte.

Als Kai dann in die eigentliche Reha kam, wurde es leider nicht angenehmer. „Er hat sich da ziemlich unwohl gefühlt“, erzählt Raja. In ihrem Facebook-Posting vom 20. Juli schreibt sie:

Nun ist schon eine ganze Weile vergangen, seit ich auf Kais Profil etwas geschrieben habe, jetzt will ich euch aber berichten, wie es hier weitergegangen ist.

Kai ist bereits seit etwa sechs Wochen in der Reha. Er ist hochmotiviert und macht große Fortschritte. Inzwischen kann er das rechte (ehemals gelähmte!) Bein schon heben und strecken und macht mit seinen Therapeuten bereits Gehversuche.

Da so ein großer Teil seines Gehirns vollkommen zerstört wurde, muss er vieles neu erlernen. Es lernt das Sprechen, jedoch kann er noch nicht das artikulieren, was er sagen möchte. Wer ihn kennt, kann sich sicher vorstellen, dass ihn diese Tatsache sehr frustriert. Das Positive aber ist, dass er sich an sehr vieles erinnern kann und in seinem Kopf weiß, was er sagen möchte. Nun braucht es tatsächlich viel Geduld, vor allem braucht er diese Geduld. Es geht ihm längst nicht schnell genug.

Ich habe ihm einige Zeitungsartikel mitgebracht und ihm immer wieder erzählt, was alles passiert ist, sowohl mit ihm, was seine Krankheit angeht, als auch sein Buch betreffend. Vor kurzem nun hat er all das endlich begriffen und war – wie ihr euch sicherlich vorstellen könnt – dementsprechend sichtlich ergriffen!

Und Artikel hatten sich inzwischen einige angesammelt (ganz zu schweigen von Blogbeiträgen!):

Zurück nach Oldenburg wurde Kai Ende August 2015 verlegt, wo er dann nach einiger Zeit auch hin und wieder das Wochenende zuhause verbringen durfte. Das Treppensteigen hatte er ja extra dafür geübt. Ende Oktober 2015 schließlich wurde in Oldenburg bei B&G eine Benefizlesung von „Willkommen im Meer“ veranstaltet, an der auch Kai teilnahm und mit der er zugleich seine Entlassung aus der Reha und seine Rückkehr nach Hause feiern konnte.

Wie es ihm seither ergangen ist und wie sei Alltag heute aussieht, dazu mehr im nächsten Blogbeitrag.

Und wieder ist beim Skypen die Zeit wie im Flug vergangen. Unter einer Stunde über Gott und die Welt reden bleiben wir selten. Auch wenn ich nicht immer gleich verstehe, was Kai mir sagen will, werden seine Gesprächsbeiträge dabei immer ausführlicher und auch im Facebook-Chat bleibt es nicht mehr nur bei Emojis. Neuerdings sind da auch immer öfter Wörter dabei, selbst wenn sich Kai nicht immer sicher ist, ob das so richtig ist. Dann wird eben ein Grübel-Smilie dazu geschickt und wir klären es via Skype.

„Zwei Wochen zurück: noch nicht so viel geredet.“, erzählt er mir dort.
Ich scherze, dass er meinen Wortbeiträgen ja was entgegen halten müsse.
„Nee!“, sagt Kai. „Katalysator!“

Foto: Kais Bruder Patrick zu Besuch in der Reha.