Nachdem unser voriger Blogartikel online gegangen war, eröffnete mir Kai: „Nächste Woche weg. Drei Tage!“  – Wie jetzt weg? Wohin? „Würzburg. Aphasietage!“, sagte Kai und zeigte mir das Veranstaltungsprogramm. Drei Tage lang kein Skype, dafür volles Programm. Bei dem  Kongress für Aphasie und Schlaganfall unter dem Motto „Zwischenwelten und Verräumte Träume“ würde es verschiedene Vorträge und Workshops geben. Kai war schwer gespannt und auch ein bisschen aufgeregt, immerhin würde das seine erste Reise ohne seine Frau Raja sein. Nur er und seine Aphasie-Gruppe aus Oldenburg und das per Zug…

Viel zu berichten

Als Kai am folgenden Samstagabend wieder zuhause angekommen ist, schafft er es gerade noch, mir einen todmüden Smilie zu schicken und fällt dann wohlverdient ins Bett. Von unterwegs hat er mir auch kurz via Chat Feedback zu den einzelnen Veranstaltungen gegeben. Aber so richtig soll ich erst am Sonntag erfahren, wie es denn nun gelaufen ist.

Als ich dann sonntagvormittags Skype öffne, begrüßt mich ein strahlender super motivierter Kai, der nur so drauf los sprudelt: In den drei Tagen sei einiges an Erinnerung wieder gekommen, erzählt er mir freudig. Die Vorträge und Workshops, an denen er teilgenommen hat, seien fast alle toll gewesen. Vor allem der Theaterworkshop habe ihm natürlich gefallen. Aber eins nach dem anderen:

Input noch und noch

Nach der Ankunft gab es am Donnerstagabend zunächst die üblichen Grußworte, was jetzt nicht soo interessant war. Der anschließende Weinempfang sei auch eher naja gewesen, „aber dann: 18 Mann, Italiener,“ grinst Kai „und Bier!“. 😉 So gestärkt ging es dann zur ersten Übernachtung ins Hotel.

Am Freitag gefiel Kai der Vortrag von Dr. Sonja Kleih über „Gehirn-Computer-Schnittstellen in der Rehabilitation von Aphasie nach Schlaganfall“ besonders gut. Leider sind online keine weiteren Informationen über dieses wirklich spannend klingende Thema zu finden und für Kai ist es doch schwierig, detailliert darüber zu berichten.

Da Kai auch früher schon Theater gespielt hat, machte ihm der Theaterworkshop von Pete Guy Spencer, an dem er an beiden Tagen teilnahm, wie zu erwarten besonderen Spaß. Ob sie da mehr Impro gemacht hätten, frage ich. „Ja, auch“, meint Kai, aber auch paarweise Übungen oder Pantomimen.

Tipps und Erfahrungen

Das Interview mit der Aphasikerin Ulrike Steinhöfel zum Thema Reisen mit Aphasie habe er am Samstag mit Interesse verfolgt und sich dabei Tipps geholt, was für Betroffene bei Reisen alles zu bedenken ist. Da fällt mir ein, dass die Reise nach Würzburg doch sicher auch Vorbereitung benötigt hatte. Ob er denn z.B. einen Zettel mitgenommen habe, den er im Notfall vorzeigen könne, um anderen zu erklären, warum er Probleme mit dem Sprechen und andere Einschränkungen hat. „Nää“, sagt Kai, „alles mit Sprache!“. Überhaupt sei die Reise problemlos verlaufen.

Als letzte Veranstaltung vor der Abreise gab es am Samstag dann noch eine Podiumsdiskussion zum Thema „Leben mit Aphasie: 20 Jahre weiter…“, in der mehrere Betroffene mit anwesenden Fachleuten von ihren Fällen berichteten und auf welche Weise sie sich mit ihren Einschränkungen arrangiert haben. „Spannend!“, fasst Kai den ganzen Kongress zu sammen und fügt entschlossen hinzu: „Nächstes Jahr, März, wieder Aphasietage. Ich fahr wieder hin!“

Weiter lernen

Auch von den Gesprächen zwischen den Veranstaltungen habe er sehr profitiert, sagt Kai. Oft sei das zwar schwierig und auch anstrengend, aber mit etwas Geduld und langsam Machen funktioniere es dann doch. „Ich will das ja wieder lernen“, erklärt er mir. Mit mir redet Kai an diesem Sonntag allerdings nicht wirklich langsam, sondern im Gegenteil vergleichsweise flüssig und so viel wie noch nie vorher. Ganze zwei Stunden verbringen wir auf Skype. Als ich ihm das sage, lacht er und meint: „Ich weiß auch nicht… Sabbelsabbel!“ 😉

 

Mehr Infos zu den jährlich stattfinden Aphasietagen
gibt es unter http://aphasie-unterfranken.de

Titelfoto: pixabay

 Nachtrag: Bianca Gade hat zumindest diesen englischsprachigen wissenschaftlichen Artikel zum Schnittstellenthema gefunden: http://journal.frontiersin.org/article/10.3389/fnhum.2016.00547/full. Danke, Bianca. 🙂