Über Kai-Eric Fitzner

Autor von "Willkommen im Meer" und "Krumme Dinger", Netzmensch und Familienvater aus Oldenburg. Douglas-Adams-Fan. Nach einem schweren Schlaganfall im Mai 2015 Aphasiker auf dem Weg der Besserung.

Wenn es denn was bringt…

…rufe ich gerne auf, für mich zu stimmen, auf dass ich bei der re:publica 13 mit einem rasiermesserscharfen Vortrag zum Thema Bildung dabei sein kann. Leider hat niemand zu einer Abstimmung aufgerufen. Also hilft nur Daumen drücken. Vielleicht. Oder zwischendurch einfach mal was aus dem Archiv lesen.

Pisa Bolognese – Neue Wege in den Abgrund

Deutschland verblödet, da gibt es kein Vertun, das haben wir schriftlich. Was wir aber nicht schriftlich haben ist, warum Deutschland verblödet. Klar, diversen Bundespräsis ruckt es zu wenig in den Kuschelecken unserer Schulen, oder es gibt zu wenig deutschsprachigen Islam-Unterricht. Aber das war ja früher nicht anders, als wir noch die Bildungselite dieses Sonnensystems produzierten. In den Schulen hat sich seither nichts geändert, folglich müssen die Probleme andernorts zu finden sein, wo Kindern Bildung widerfährt, nämlich Zuhause.

Ein besonders einschneidender Moment in der Kinderaufzucht ist jener Zeitpunkt, an dem das Kind seinem aktiven Wortschatz die Vokabeln ›wieso‹, ›weshalb‹, ›warum‹ hinzufügt, denn dann wird gefragt, bis der Gefragte klein beigibt. Hier werden die Weichen für zukünftiges Forschungsverhalten des Kindes gestellt, denn wir wissen aus zuverlässigen Quellen, die aus Gründen des Datenschutzes an dieser Stelle nicht genannt werden wollen, dass Kinder situativ lernen und ihre Lernstrategie anhand ihrer Erfolge wie auch Misserfolge anpassen. Aus der PISA-Studie der OECD wissen wir aber auch, dass deutsche Kinder in ihren Anpassungsstrategien international hinterherhinken. Daher ist es an der Zeit, diese Defizite anhand des folgenden Beispieldialogs zu untersuchen. In diesem Szenario unterhält sich ein zunächst geschlechtsloses Elternteil mit einem ebenso geschlechtslosen Kind im Kindergartenalter.

»Du musst jetzt ins Bett.« – »Warum?« – »Es ist schon spät.« – »Wieso?«

Hier verläuft in der Regel der erste Kommunikationsbruch, weil dieser Sachverhalt auf die Schnelle nicht kindgerecht zu erklären ist. Also geht’s einfach irgendwie weiter:

»Du musst morgen wieder früh raus.« – »Warum?« – »Weil Kindergarten ist.« – »Warum?« – »Weil morgen Dienstag ist.« – »Warum?« – Weil heute Montag ist und der Tag nach dem Montag nun einmal Dienstag heisst.« – »Warum?«

Und ehe man sich’s versieht hat man eine Diskussion über Sprachgeschichte am Hals, ein äußerst undankbares Thema, wenn man Vierjährige ins Bett bringen möchte.

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Der Faktencheckadigga tweetet Plumperquatsch

Hurra! Endlich ist die Idee des Fernsehduells so verdorben, dass sie auch bei uns mehr und mehr Fuß zu fassen vermag. Sogar die eher subnationale B-Prominenz der Ministerpräsis und Provinzbürgermeister darf sich gegenseitig auswendig gelernte parteiprogrammatische Floskeln aufsagen. Und wie es unsere moderne Welt so will, wird dieser belanglose Quatsch auch noch per Twitter von SM-affinen Parteisoldaten derart zum politisch relevanten Event hochgejazzt, dass mir beinahe das Smartphone ins Klo gefallen wäre. (Keine Sorge, verehrte Follower, ich schreibe nichts auf dem Klo, ich lese dort nur. Meine Tweets und Blogeinträge sind klofrei).

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Jahresvorschau 2013

Auch die Wirsingprinzessin isst gerne Salat mit Croutons. Hauptsache es sind keine Steckrüben drin. Die Wirsingprinzessin hasst Steckrüben im Salat.

Jahresrückblicke sind in der Regel so langweilig, dass man sich die Augen rausreißen und aus dem Fenster werfen möchte. Jahresrückblicke zu schreiben ist vermutlich noch schlimmer, also habe ich mich nach ausführlicher Lidinnenseitenbetrachtung entschlossen, eine kleine Jahresvorschau zu verfassen, an der sich gerne auch Journalisten und andere Hobbyblogger orientieren dürfen.

Drei Trendthemen gibt es in diesem Jahr: Bildung, Essen und Reisen. Selbstredend warten weitere Gassenhauer auf uns, wie etwa Social (muss „social“ heißen, sagen die Experten, weil „sozial“ was ganz anderes bedeutet, sagen die Experten), Datenschutz, Fußball, Antisemitismus, Wintersport, Pyrotechnik, Wachstum, Dividende, Krise, Kollaps, Terrorismus und, wer weiß, vielleicht beschäftige ich mich mit dem einen oder anderen auch hier. Aber prototrendig sind sie halt nicht, eher so retro Poppycockzingzanglaberrhabarber. Mehr muss man dazu wohl nicht sagen.

Kommen wir zum Essen. Heute gab’s Penne mit einem Sößchen, das Gutemine zu Stein erstarren lassen würde. Vor Neid, selbstverständlich. Darum soll’s heute aber nicht gehen, sondern um den Salat. Feldsalat, gemischt mit Green in Snow und Red Giant mit einem Zitronen-Chili-Honig-Dressing und knusprigen Croutons. Klingt nicht nur lecker, ist es auch. Bei einem Chili-Zitronen-Dressing ist darauf zu achten, die Frische der Zitrone einzufangen ohne das Dressing zu übersäuern. Statt bei der Vinaigrette setzen wir auf Zitronensaft in Kombination mit geriebener Zitronenschale, Senf als Emulgator, Olivenöl, Chili (getrocknet, gehackt), Honig – voila. Ich salze meine Dressings übrigens nicht, sondern gebe Fleur de Sel direkt über den Salat und dann das Dressing hinzu. Die Croutons werden natürlich in Butter mit einem Hauch Olivenöl frittiert – etwas anderes verdient den Namen Crouton nicht.

So, Bildung gibt’s dieser Tage auch was und Reisen werde ich auch wieder, spätestens Mitte März. Munter bleiben!

Ich fordere Gerechtigkeit

Da ich echt angesäuert bin über diese elende Feiertagsungerechtigkeit, dieses heuchlerische wir gedenken (*hicks) einer wichtigen und (*børp) halli… heiligen Tradission…  fordere ich die Stadt Oldenburg auf, folgende Feiertage, die auf ernsthaften, tatsächlichen kulturellen Gepflogenheiten gründen, kommunalgesetzlich zu verankern und notfalls mit militärischer Gewalt durchzusetzen. Ein paar Fallschirmjäger haben wir ja noch. Sonst polizeilich:

1. Boßel- und Mettag in Gedenken unser tapferen Vorfahren, die den Römern und Christen so lange Paroli geboten haben, bis sie sich dem Suff und wirren Spielen hingeben mussten. Irgendwann im November.

2. Katzenjammer: der Tag nach dem Boßel- und Mettag – den werden wir brauchen.

3. Tannewech: der erste Montag im Januar, es sei denn es handelt sich um den ersten Januar. Dann eine Woche später.

4. Christi Kohlfahrt: Der erste Montag im Februar.

5. Christi Katzenjammer: Der Tag nach Christi Kohlfahrt.

6. Maria (oder Mariä) Kohlfahrt: Der dritte Montag im Februar.

7. Maria Katzenjammer: Der Tag nach Mariä (oder Maria) Kohlfahrt.

Fehlen noch welche?

 

re:publica re:dux – Part 2

Hier werden die gesammelten Umsätze der Grill- und Getränketheken gegen schmales Geld den Eigentümern wieder zugeführt.

Der zweite Teil meiner re:publica 12 Berichterstattung, in welchem ich den Nerdkönig über den grünen Klee lobe, weil er inhaltlich „spot on“ ist, obwohl er das zu unscharf und schwurbelig verpackt.

Einer der wichtigsten Aspekte auf einer Veranstaltung wie der re:publica ist ja das… nee, ich muss kurz mal zurückspulen. Das vielleicht wichtigste an einer Veranstaltung wie der re:publica ist, dass es einem gelingt, den Leuten, die da nicht hingehen, zu erklären, was das für eine Veranstaltung ist und warum man da hingeht (und sie eben nicht). Ich hatte beinahe darum gebeten, dass man mir das im Vorfeld so erklärt, dass ich’s weitererzählen kann, aber irgendwie mache ich das doch lieber selber.

Nächstes Jahr.

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Ich entschuldige mich in aller Form, auch im Namen meiner Eltern…

…dafür, dass ich meinen letzten Blogpost mit einem sehr, sehr langen Satz begonnen und damit die Netzgemeinde über alle Maßen provoziert habe. Seit Erscheinen des Artikels haben mich hunderte geharnischter Zuschriften erreicht, in denen aufgebrachte Menschen ebenso wütende wie wirre Mono- und Dialoge über Themen und in Sprachen führten, die ich nicht verstehe. Das alles tut mir unendlich leid und ich will es wieder gut machen. Hier also die Botschaften des sehr, sehr langen Satzes in vernünftiges, lesbares Deutsch gekleidet. Nochmal sorry.

Im letzten Jahr war mein erster re:publica Besuch. Deswegen war ich ein 2.0-Toddler. (Toddler ist ein Lehnwort aus dem Englischen. Lehnwörter aus dem Englischen zu verwenden ist nicht aus der Mode geraten.) Es gab dort viele neue Eindrücke für mich. Die musste ich erst einmal eine zeitlang verarbeiten. Die Verarbeitung hat mich sehr geprägt. Sie hat meine Wahrnehmung verändert. Hätte ich durch diese Veränderung Superkräfte erhalten, wäre ich ein Superheld geworden. So einer wie aus den Comics aus dem Hause Marvel. Die vielen Eindrücke aufzuschreiben war sehr anstrengend. Dieses Jahr ist es nicht mehr anstrengend, weil ich mich jetzt dazugehörig fühle. Darum fiel es mir auch nicht schwer einen sehr, sehr langen Anfangssatz zu schreiben. (So wie Hemingway. Hemingway hat auch lange Sätze geschrieben. Sven Regener aber auch. Sven Regener mag sich nicht gerne ins Gesicht pinkeln lassen. Brecht hat auch lange Sätze geschrieben. Aber wer Hemingway nicht kennt, der kennt Brecht vielleicht auch nicht.)

Sorry, nochmal. Echt. Jetzt hier weiterlesen.

re:publica re:dux – Part 1

Eine der Personen in diesem Bild wird möglicherweise von ihren Freunden Mogli genannt. Vielleicht aber auch nicht.

Der Auftakt meiner re:publica 12 Berichterstattung: eine würdige Keynote, Monster unter Möbeln und ein ziemlich langer Anfangssatz.

War ich im letzten Jahr bei meinem ersten re:publica-Besuch noch ein 2.0-Toddler (Lehnwörter aus dem Anglo-Normannischen Sprachraum sind heuer wieder enorm en vogue), staunend mit der Neuralisierung des synaptisch fordernden Informationsangebots beschäftigt und erst nach Tagen imstande, diese kognitive Transformation, die einer marvelschen Superheldenwerdung gleich gekommen wäre, hätte sie mir Superkräfte beschert, mühevoll in wohlfeile Worte zu kleiden, so fällt es mir nach der letztjährigen Initiation dank eines der Verleihung einer digitalen Citizenship sich zumindest verwandt anfühlenden rituellen Erkenntnisgewinns nicht mal ansatzweise schwer, diesen Hemingwaynesken Anfangssatz, schnörkelbehaftet zwar, doch dabei nicht minder elegant zu Blogge zu tragen (wem der Name Hemingway nichts sagt, der möge sich ein paar atemlose Sätze Sven Regeners reinziehen, der sich unlängst fernab der lesenden oder Musik kaufenden Gesellschaft als Gegner erotischer Wasserspiele ins Gespräch brachte; Brecht hat seinerzeit auch so manches Ungetüm versyntaktet, aber wem Hemingway nichts sagt, dem muss ich mit Brecht wohl auch nicht kommen). So musste ich damals lange über Sinn und Relevanz der Keynote pondern (siehe Anmerkung oben), um schließlich messerscharf zu folgern, dass sich ein Kontext zur re:publica nur platitüdenhaft herstellen ließ (jeder ist seines eigenen Designs Schmied, oder so ähnlich). Dieses Jahr gab es zum Ausgleich dafür eine Diskursklatsche vom Allerfeinsten.

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Gefahr von links

Beim Durchforsten meines Blogs stieß ich gerade auf diese kleine Maiglosse aus dem Januar 2011. Damals dachte man noch an Johnny Depp wenn jemand Pirat sagte und die FDP saß noch in frisch gewählten Regierungen. Darum ist das Glõsschen schon ein wenig schal, aber zum 1. Mai kann man sowas schon mal rausgeben.

Aus Parteipolitik wollte ich mich ja eigentlich heraushalten und auf den kollektiven Politkerbashingzug aufzuspringen bereitet mir ebenfalls Unbehagen. Aber ich spüre hier meine historische Verantwortung all jenen gegenüber, die bei Wahlen irgendwo ihr Kreuzchen machen, in der Hoffnung, irgendein Arsch werde ihre persönlichen, von Eigensinn befeuerten Schrullen schon bedienen. „Die ander’n kannste ja auch alle nicht wählen“, sagen sie dann und haben dabei leider nicht mal so ganz Unrecht. Seit der Wählerschaft mehr und mehr dämmert, dass die Parteien keine politischen Visionen haben und, wenn man Altkanzler Schmidt glauben darf, auch nie gehabt haben, lässt es sich leichter auf die Hausierer eingehen, die uns Partikularinteressen als einzig erfolgsverheißende gesellschaftliche Umwälzpumpe verkaufen wollen.

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Willkommen im eMeer (oder iMeer?)

Heute ist mein prima Bildungsroman Willkommen im Meer als eBook und iBook erschienen. Das Buch ist prima, weil es unser obsoletes Bildungssystem aber so was von an den Pranger stellt und dabei nicht mit Verachtung gegenüber boshaften Lehrern geizt (die freundlichen und kompetenten Lehrer kommen eigentlich ganz gut weg), das ganze sprachlich meisterhaft menschelnd transportiert und dabei auf umwerfende Weise Sozialkritik aus den großen Wortkalibern meiner semantischen Artillerie verschießt, kurzum: mein lieber Herr Gesangsverein, was für ein feines Werk.

Wer sich nun dem schweißtreibenden Zwang der Entscheidungsfindung ausgesetzt sieht, ob sie/er das Buch aus Holz oder Strom erwerben soll, von wegen Anfassen oder nicht, am Strand lesen oder im Bett, dem Autor helfen oder was weiß ich: das ieBook ist billiger und beschert mir rätselhafterweise mehr Profit (immer noch spärlich, aber immerhin).

Also: kaufen, lesen und hier mit mir und anderen Lesern diskutieren, Rezensionen schreiben. verbreiten und diesen Blog lesen, der sich von nun ab wöchentlich meldet (glaube ich).

Die Piraten in unseren Köpfen

Ein bisschen mehr nachdenken und nicht so viel hudeln, bitte.

Erst jüngst hatte ich in einem Anfall von Selbstreflektion bemerkt, dass ich der letzten Bundestagswahl den Zustand der politischen Parteien messerscharf analysiert hatte und wollte mich darauf auf mein Politkorrespondentenaltenteil zurückziehen.

Eine neue Partei ist aufgetaucht, die tatsächlich einiges anders machen möchte, die Kompetenz von den Kompetenten einholt und sich breite Meinungsbilder zu Gemüte führt, diese verdaut und in Politik für ihre Wähler umzuwandeln gedenkt. Lauter Dinge, die einer Demokratie  gut zu Gesicht stehen, vor allem einer, die von Parteikaspern angeführt wird, deren einzige Kompetenz darin zu bestehen scheint, neuen Trends hinterherzulaufen, um sich genügend Stimmen sichern zu können, damit es die nächsten vier bis fünf Jahre mit dem Trends hinterherlaufen auch wieder klappt. Zwischendurch muss man auf hohle Fragen sinnleer antworten und dabei möglichst unverbindlich bleiben – sonst holt einen das Gesagte womöglich wieder ein, wenn es nicht mehr trendy ist. Und natürlich muss man spontan und sofort zu allen Themen sachkundig klingendes in Form einer Expertenmeinung äußern können.

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Es sind Momente wie dieser….

…die mich an das Gute im Menschen glauben lassen. Offenbar möchte irgendein Irrer mich dazu bewegen, dass ich seine Seite anklicke, indem er einen generischen Provokationstext mit einem Freudschen Fehler in der falschen Sprache zu einem Kochrezept verschickt und mir Rumgeheule attestiert. Herrje. Geht’s noch ein bisschen raffinierter, liebe Trollbots?