Über Annette Schwindt

macht was mit Schreiben. Kais Chronistin hier im Blog von Anfang 2017 bis Ende 2018 und Organisatorin von #einRadfuerKai.

Sag beim Abschied leise Servus

Zwei Jahre lang habe ich hier in Kais Namen über seinen Weg seit dem Schlaganfall berichtet. Das war oft gar nicht so einfach, da ich zuvor keine Erfahrung mit Aphasie hatte und mir alles, wovon ich hier geschrieben habe, allein erarbeiten musste.

Es war eine emotional sehr intensive Zeit, in der wir viel miteinander erlebt haben. Teil des Weges sein zu dürfen, auf dem es Kai immer besser geht, ist eines der größten Dinge, die ich bisher erfahren durfte.  Und zu sehen, wie unsere Artikel auch andere bewegt, ja sogar Betroffenen geholfen haben, war einfach großartig.

Inzwischen geht es Kai um einiges besser und meine Zeit als Chronistin ist zu Ende. Wann Kai wieder selbst schreiben kann, wissen wir noch nicht. Aber er hat es fest vor und tut auch weiterhin alles, um dieses Ziel zu erreichen. Ich werde seinen Weg natürlich weiter begleiten, auch wenn ich hier nicht mehr schreibe.

Auf annetteschwindt.de sowie über Social Media bin ich weiterhin erreichbar. Danke an alle, die meine Artikel hier mitgelesen und weitergesagt haben. Live long and prosper!

 

Titelfoto: pixabay

Ab jetzt motorisiert

Die letzten Wochen waren ganz schön anstrengend für Kai, da er vorübergehend ohne sein Rad auskommen musste. Über anderthalb Jahre ist es her, dass ihm über das Crowdfunding #einRadfuerKai sein Liegefahrrad finanziert wurde. Seitdem fährt er täglich damit. Ob nur zum Spaß, ob zur Therapie oder zum Einkaufen: Ohne den Scorpion geht gar nichts. Und auch wenn ihm das Fahrradfahren zu mehr Bewegung und damit zu vielen anderen Fortschritten verholfen hat, so musste Kai sich doch eingestehen, dass er wegen seiner verminderten Herzleistung körperlich einfach nicht so kann wie er möchte. Weitere Strecken oder das Fahren bei ungemütlichem norddeutschen Wetter erwiesen sich mit der Zeit als zu anstrengend.

Abhilfe schafft nun ein Zusatzmotor. Doch um den einbauen zu können, musste das Rad eingeschickt werden. Damit war Kai gezwungen, sich zu Fuß und mit dem Bus fortzubewegen. Das kostete ihn nicht nur viel Kraft, sondern auch viel mehr Zeit als sonst. Außerdem konnte er nicht zur nächstgelegenen Bushaltestelle, da die Straße wegen eines Brandes länger für den Bus gesperrt war. Statt Einkäufe in die neuen Fahrradtaschen oder seinen Anhänger zu packen, blieb ihm nur der Rucksack, den er aber nicht weit schleppen kann.

Seit ein paar Tagen ist der Scorpion nun wieder bei seinem erleichterten Besitzer. Bis zu 25 km/h erreicht Kai jetzt mit dem Elektromotor. Der ist überraschend klein und vorn im Tretlager eingebaut. Hinter dem Sitz ist außerdem der Akku positioniert:

Damit kann Kai jetzt auch bei Gegenwind oder auf längeren Strecken klar kommen und vor allem wieder seinen Alltag unabhängig bestreiten.

Übrigens: Die alten blauen Fahrradtaschen mit den Namen der Spender hängen inzwischen bei Kai zuhause an der Wand und erinnern weiter an #einRadfuerKai.

Viel zu tun

In den vergangenen Wochen war es ziemlich ruhig hier im Blog, was unter anderem daran liegt, dass Kai inzwischen ziemlich beschäftigt ist. Wenn er keine Therapien hat, dann besucht er Konzerte oder Lesungen oder Freunde und Familie, oder ist in seiner Funktion für den Aphasieverband unterwegs. Zusätzlich hilft er derzeit auch noch zwei Schülerinnen der Berufsfachschule für Logopädie in Oldenburg, die für ihre Abschlussarbeit ein Therapiematerial evaluieren sollen. Testperson: Kai.

„Es geht dabei um Satzaufbau“, erklärt mir Hannah Stebel, Einrichtungsleiterin der Berufsfachschule. Die beiden Schülerinnen müssen über einen Zeitraum von mehreren Wochen immer dieselben Aufgaben mit Kai machen, um herauszufinden, ob das dafür genutzte Therapiematerial praxisgeeignet ist, oder nicht. Denn nur weil man etwas immer wieder übt, heißt das bei Aphasie nicht unbedingt, dass es funktioniert. „Kai macht sich aber richtig gut“, freut sich Hannah. Und Kai tut es für die Schülerinnen gern, auch wenn es für ihn als Freigeist nicht so interessant ist, wenn er immer wieder dasselbe machen soll. Geübt werden Relativsätze (Ich sehe den Mann, den der Hund gebissen hat.), Passivsätze (Ich sehe den Mann, der vom Hund gebissen wurde.) und Wen-Fragen (Wen hat der Hund gebissen?). Noch ein paar Sitzungen liegen vor Kai, dann ist es geschafft.

In der regulären Logopädie geht es derweil Schritt für Schritt mit Lesen und Schreiben voran, so dass Kai sich inzwischen eher mal mit einem Buch zurückzieht als sich vor den Fernseher zu setzen. Als ich im September an einer seiner Logopädiesitzungen teilnehmen durfte, war ich platt, wie gut das schon funktioniert. Allerdings liest Kai nicht nach Buchstaben und Lauten, so wie es die meisten in der Schule gelernt haben. Er hat sich als Kind das Lesen selbst beigebracht, indem er das Gesamtblid von Worten betrachtete. Das macht es jetzt natürlich schwierig, wenn das Wiedererlernen auf dem Zuordnen von Lauten zu Buchstaben basiert. Aber es läuft!

Nachtrag: Und jetzt ist es zum ersten Mal passiert, dass Kai mich auf einen Tippfehler in diesem Artikel aufmerksam gemacht hat, als er ihn zum Absegnen gelesen hat! Es geht immer weiter voran! 🙂

Wie schon in meinem Blog beschrieben, war ich im September eine Woche lang bei Kai. Im Oktober war Kai dann wieder ein paar Tage bei uns, da wir schon vor ein paar Monaten Karten für das Branduardi-Konzert in Köln gekauft hatten. Kai und Thomas haben sich beim Karten besorgen ein paar Tage vorher in Köln noch halb verlaufen und nach dem Konzert streifte unser Auto leider im Parkhaus eine Säule… Aber das Konzert war gigantisch und auch die sonstigen Tage in Bonn dank tollem Spätherbstwetter richtig schön. Zum Schluss noch ein paar Fotos, die Kai bei seinem Besuch gemacht hat:

Titelfoto ©  Annette Schwindt
Fotogalerie © Kai-Eric Fitzner

Lasst uns über Aphasie reden

 

Fast jedes Mal, wenn uns jemand besucht, um Kai kennenzulernen, höre ich nachher solche Aussagen wie „Das mit der Aphasie hatte ich mir aber schlimmer vorgestellt“. Das ist natürlich lieb gemeint und auch ein schönes Lob für die Fortschritte, die Kai sich schon erkämpft hat. Woher sollen es die Leute auch besser wissen? Bei denen, die es wissen, hinterlässt es aber einen bitteren Nachgeschmack, weil man wieder einmal allein damit zurückbleibt, wie schlimm Aphasie für den Betroffenen, aber auch für sein Umfeld tatsächlich ist.

Ich musste das selbst auch erst lernen, denn wenn man sich nur mal kurz über Aphasie informieren will, ist da hauptsächlich von Sprachproblemen nach Schlaganfall die Rede und dass es verschiedene Formen von Aphasie gibt. Das mit dem Sprechen ist eben das Erste, was einem auffällt. Alles Weitere, von dem ich hier schreibe, habe ich erst durch eigene Erfahrung gelernt.

Sprachverwirrung

Jeder Aphasie-Fall ist anders, deshalb kann ich hier nur von Kai und mir erzählen. Was ich dabei zunächst einmal verstehen lernen musste: Bei Kai ist die Schnittstelle beim Sprach-Ausgang und -Eingang geschädigt. Was das bedeutet, ist wirklich schwer zu erklären. Zum einen bedeutet es, dass Sachverhalte, die ihm im Kopf völlig klar sind, gar nicht oder nicht wie gewollt ausgesprochen werden können, sondern unterwegs quasi zerbröseln oder sich verdrehen. Heraus kommt Salat oder nur ein Fragment dessen, worum es geht. Umgekehrt versteht er den Sinn der Sprache, die er hört, nicht immer vollständig. Das gilt vor allem dann, wenn Sätze lang und verschachtelt sind und viele Namen enthalten.

Da Kai schon über drei Jahre an diesem Problem arbeitet, kommt er inzwischen mit gewissen Standardsituationen so gut klar, dass man die Aphasie nicht oder nur bei genauem Aufpassen bemerkt. Hinzu kommt, dass er in gewohnter Umgebung und mit vertrauten Menschen in der Nähe sicherer im Sprechen ist. Wenn dann noch ein guter Tag dazu kommt, dann merkt man wirklich kaum etwas. Aber da hin zu kommen, war bereits richtig harte Arbeit.

Es ist unglaublich wie Kai immer weiter kämpft und dabei nicht die Geduld oder seinen Humor verliert. Wer sich nur einmal ernsthaft in seine Situation hineinzudenken versucht, wird erkennen, wie sehr einen schon allein dieses Sprachproblem von der Welt isoliert. Denn man kriegt nicht nur das, was man sagen will, nicht kommuniziert, sondern bekommt auch nur unvollständig Sinn in das, was an einen herangetragen wird. Und das, während man im Kopf völlig klar ist. Das betrifft auch Schreiben und Lesen. Als würde man in einer Sprache denken, beim Versuch seine Gedanken mitzuteilen, eine zweite Sprache produzieren und das, was man hört, ist eine dritte Sprache.

Soziale Isolation

Dieses Sprachproblem allein isoliert den Betroffenen wie gesagt schon von der Welt. Eine Folge des Nicht-Verstehen-Könnens ist aber auch, das soziale Interaktionen für ihn zu Stolperfallen werden. Wenn einem der sprachliche Kontext fehlt, woher weiß man dann, was gerade Sache ist?

Also hat Kai zunächst Standardsituationen eingeübt und welche Worte und Verhaltensweisen dafür typisch sind: Sich begrüßen und verabschieden, fragen, wie es geht und das beantworten, ich bin müde, ich hab Durst/Hunger etc. Aber außerhalb dessen lief Kommunikation zu Anfang nur stichwortartig und das mit den für Aphasie typischen Verwechslungen und Verdrehungen. Und so waren wir zunächst damit beschäftigt, Sinn in den Wortsalat zu bekommen. Das außerhalb von Therapien täglich via Skype anzugehen, war für uns beide eine sehr intensive Erfahrung.

Als wir uns dann auch persönlich trafen, wurde das Ganze noch komplexer. Das mit den Standardsituationen wusste ich da noch nicht und brachte ihn mehr als einmal aus dem Konzept, indem ich ihn nichtsahnend außerhalb solcher Standardsituationen katapultierte. Seine dabei eintretende Schockstarre verwirrte mich total. Was war plötzlich los? Es dauerte Monate bis ich es herausfand: Er konnte die Situation nicht zu einer der gelernten zuordnen und wusste einfach nicht, wie er reagieren sollte.

Das Schlimme dabei: Das bezog sich auch auf Nähe! Gerade das, was man ohnehin besser nonverbal ausdrückt. Gerade das, was man jemandem geben möchte, von dem man weiß, dass er in sich allein feststeckt! Meine erste Reaktion war natürlich, ihn gerade in verzweifelten Situationen in den Arm zu nehmen und zu drücken. Das funktionierte lange nicht. Erst als er sprachlich so weit war, ansatzweise mitteilen zu können, was beim Drücken mit ihm passiert, konnten wir das Problem angehen: Wir machten eine neue Situation zum Üben daraus. Aber der Weg dahin war richtig hart. Erleben zu dürfen, wie das Zeigen von Nähe immer selbstverständlicher für ihn wird und wie er dabei millimeterweise lernt Stress loszulassen, ist hingegen ein riesengroßes Geschenk!

Andere Folgen

Was unsere vielen Gespräche außerdem bewirkt haben: Kai setzt den Verständnis-Standard bei mir inzwischen deutlich höher an, als bei anderen. Wenn ich dann aber mal einen schlechten Tag habe und dem nicht gerecht werden kann, dann ist selbst der geduldigste Kai irgendwann am Ende mit den Nerven. Wer kann es ihm verdenken? Mir wiederum tut das sehr weh, weil ich mich ja gerade bemühe, ihm gerecht zu werden. Aber ich bin halt auch keine Maschine. Zum Glück können wir inzwischen darüber reden und dank der wachsenden Vertrautheit schnell wieder gut miteinander sein.

Was wir außerdem begreifen mussten: Das Gehirn lernt in Wellen. Am Anfang war Kai oft niedergeschlagen, wenn nach einer Zeit der Fortschritte plötzlich nichts mehr vorwärts zu gehen schien oder sogar wieder ein bisschen schlechter wurde. Erst mit der Zeit begriffen wir, dass das Gehirn nach neu Gelerntem eine Ruhephase braucht, in der es Anlauf für Neues holt. Auch von einem Tag auf den anderen kann es mal gut und mal schlechter laufen. Nur weil heute etwas gut funktioniert, kann man nicht voraussetzen, dass es das morgen auch tut. Aber dann kommen wieder wie aus dem Nichts große Sprünge, dann wieder Nebel, dann wieder der nächste Fortschritt.

All das erfordert nicht nur enorm viel Geduld, sondern ist emotional extrem fordernd. Mit anderen darüber reden ist schwierig, wenn derjenige solche Situationen nicht selbst kennt oder bereit ist, sich wirklich reinzudenken. Das macht einsam, weswegen viele Aphasiker und ihr nächstes Umfeld sich isoliert fühlen. Bei manchem zerbrechen selbst die nächsten Bande, weil man den Herausforderungen nicht mehr gewachsen ist.

Reden hilft

Wenn also jemand zu mir sagt: „Das mit der Aphasie hatte ich mir schlimmer vorgestellt“, dann atme ich einmal tief durch und werde künftig auf diesen hier Text verweisen. Es ist Kai und mir nämlich ein großes Anliegen, dass die Menschen besser verstehen lernen, was es mit Aphasie auf sich hat und wie sehr Betroffene und ihr Umfeld darauf angewiesen sind, dass es Menschen gibt, die sich die Mühe machen, zuzuhören und mit einem ernsthaft darüber zu reden. Und das jenseits von Therapien und Selbsthilfegruppen, sondern mitten in der Gesellschaft.

Danke an alle, die diesen Text lesen und weitersagen.

Titelfoto: Benedikt Geyer

In einem Prius nach Paris – und zurück

Da weder Kai noch Thomas bisher in Paris waren, hatten wir uns um Silvester herum vorgenommen, das zu ändern. Zuerst wollten wir im März hinfahren, aber dann kam die Kältewelle und wir verschoben das Ganze auf Ende Juni – nicht ahnend, dass wir damit mitten in eine Hitzewelle geraten würden. Außerdem lag das Ganze auch noch mitten in der Fußball-WM-Zeit… Naja, wir hatten über airbnb ein Appartement im 20. Arrondissement gleich hinter Père Lachaise gebucht, das einen Fernseher hatte. Somit war zumindest in Sachen Fußball alles vorbereitet.

Kai hatte vor unserer Abreise schon recherchiert, welche besonderen Restaurants es in der Nähe unserer Wohnung gibt, und war auf ein afrikanisches Lokal namens Pitch Me aufmerksam geworden, das wir dann auch zweimal während unseres Aufenthalts besuchten und geschmortes Huhn, Lammcurry und afrikanisch abgewandelte Cocktails genossen.

Kai im Pitch Me

Was wir vorher nicht gewusst hatten: Das ganze Viertel (Saint Fargeau) ist nordafrikanisch/maghrebinisch geprägt. Und so hörten wir  nicht nur die Kirchenglocken läuten, sondern auch den Muezzin rufen, und unser Bäcker um die Ecke hatte neben den üblichen Croissants und Baguettes auch nordafrikanische Patisserien in der Auslage.

Auf unseren Erkundungsgängen durch das Viertel ließ sich Kai immer wieder bestätigen, dass er Schilder oder andere Beschriftungen richtig gelesen und verstanden hatte. „Es kommt wieder“, freute er sich mehr als einmal. Selbst dem gesprochenen Französisch konnte er einigermaßen folgen. Und so war es kein Problem für ihn, auch mal allein einkaufen zu gehen. „Mit Händen und Füßen geht das“, grinste er.

In unserem Stamm-Supermarkt gleich vor der Haustür entdeckte er gleich zu Anfang einen Rosé aus einem Weingut von Gérard Dépardieu, der zu unserem Hauswein wurde:

Vor- und Rückseite der Rosé-Flaschen

Außerdem lernten Kai und Thomas auf mein Schwärmen hin den in Deutschland leider nicht erhältlichen fromage blanc kennen und schätzen. Auch der wurde, wie die morgendlichen Croissants, zur Standardausstattung auf unserem Speiseplan.

Leider lief der Paris-Aufenthalt wegen einiger Unwägbarkeiten mit dem Auto und der Wohnung nicht wie geplant. Aber wir machten das Beste daraus und hatten zumindest einen Tag in der Innenstadt, bei der wir die wichtigsten Sehenswürdigkeiten via Stadtrundfahrt im eigenen Auto und einem Spaziergang an der Seine abhaken konnten. Einen typischen Touri-Urlaub hatten wir ohnehin nicht geplant.

Hier Kais Fotos (zum Vergrößern bitte anklicken):

Zurück in Bonn

Die Rückfahrt nach Bonn traten wir einen Tag früher als geplant an, u.a. auch um das Viertelfinale mit Brasilien nicht zu verpassen. Außerdem hatte sich Rouven, einer der wichtigsten Unterstützer bei #einRadfuerKai, der auch schon an der Aktion #einBuchfuerKai maßgeblich beteiligt gewesen war, zu Besuch angesagt. Zusammen mit seiner Frau Saskia konnte er Kai nun endlich persönlich kennenlernen und sich live von dessen Fortschritten überzeugen.

Nach einer weiteren Woche, in der wir es uns in Bonn gut gehen ließen, reiste Kai dann weiter zu seinem Vater nach Magdedeburg, um dort das WM-Endspiel anzuschauen und noch eine Woche Urlaub zu machen bevor es wieder mit den Therapien weitergeht.

Alle Fotos © Annette Schwindt
außer Fotos 3-7, 9,10 © Kai-Eric Fitzner

Weitere Bilder und Details zur Paris-Reise auf annetteschwindt.de

Vom „Croozen“ und von Surfproblemen

Nachdem Kais Rad doch ein wenig unter den winterlichen Temperaturen gelitten hatte, wurden kürzlich die heftig quietschenden Bremsen ausgetauscht. Bei dieser Gelegenheit wurde gleich eine Anhänger-Kupplung angepasst, denn Kai fährt jetzt mit Croozer (s. Bild oben). Mit diesem Anhänger kann er mehr und v.a. auch größere Dinge transportieren als sie bisher in seine Radtasche gepasst haben.

Das Transportieren von Daten ist derweil nicht so einfach für ihn. Die Internetverbindung in seiner WG hat Probleme und kann erst gegen Ende Juni repariert werden… Gleichzeitig verabschiedete sich auch noch sein Smartphone. Was für andere vielleicht ärgerlich ist, bedeutet für Kai einiges an Problemen, da er seinen Alltag stark digital organisiert. Auch in Sachen Aphasie sind digitale Hilfsmittel wichtig für ihn. Von unseren Skype-Gesprächen mal ganz zu schweigen. Diese Gespräche konnten wir inzwischen dank Kais großen Fortschritten mit Erfolg via Telefon weiter führen.

Nach ein paar Tagen fand sich glücklicherweise jemand, der Kai wenigstens eine improvisierte Leitung bauen konnte, und so schaffen wir es jetzt zumindest, Mails zu schicken oder kurze Videochats aufrecht zu erhalten. So konnten wir auch ein neues Smartphone bestellen, das wir bei Kais nächstem Bonn-Besuch einrichten werden. Das alte konnte er für die Übergangszeit nochmal wiederbeleben. (Wie Kai seine Zeit verbringt, wenn er bei uns in Bonn ist, habe ich übrigens kürzlich in meinem Blog aufgeschrieben.)

Bei Kais Geburtstagsparty im Mai haben wir außerdem unsere neuen Team-Shirts eingeweiht, die #teamsutsche als Kunstwerk der spanischen Künstlerin tutticonfetti ziert. Inzwischen haben wir auch alle noch welche mit unseren einzelnen Avataren vorn und dem kompletten Team auf dem Rücken:

Shirt von #teamsutsche mit den Bildern von tutticonfetti

Kleiner Nachtrag noch zum vorigen Blogartikel hier: Kais Logopädin meinte, es gebe bei diesen Aufgaben keine alleingültigen Antworten. „Utensilien“ sei daher genauso richtig gewesen, wie z.B. „Haushaltsgegenstände“, was man auch hätte antworten können. So oder so sei diese Frage vielleicht ohnehin nicht mehr zeitgemäß und fliegt daher vermutlich demnächst aus dem Aufgabenblatt. Mittlerweile beschäftigt sich Kai mit dem Schreiben und Buchstabieren und auch das nicht auf die althergebrachte Weise, sondern über die Phonetik.

Für kommenden März ist geplant, dass wir bei den Aphasietagen in Würzburg einen Vortrag über Kais Fortschritte dank digitaler Kommunikation halten werden. In Vorbereitung darauf hören wir gerade das Audiobook von Jill Bolte Taylor „My stroke of insight“, in dem die Neurowissenschaftlerin – wie schon in ihrem hier im Blog vorgestellten TED-Vortrag –  davon erzählt, wie sie ihren eigenen Schlaganfall erlebt hat. Und das natürlich in englischer Sprache! Zu einfach darf es bei Kai nicht werden, das wäre ja zu langweilig. 😉

 

Hausaufgaben gemacht

Bei seinem aktuellen Besuch in Bonn hatte Kai sich Hausaufgaben von seiner Logopädin mitgebracht. Da er durch seine Aphasie Probleme hat, Wörte zu finden, oder richtig zuzuordnen, sollte er üben, Oberbegriffe zu Gruppen von jeweils drei Wörtern zu finden. Das wäre ihm vor wenigen Monaten noch schier unmöglich gewesen. Jetzt aber, kann er die Wörter nicht nur schon gut lesen, sondern auch gut zuordnen Bei den Oberbegriffen war dann aber nicht nur er gefordert. Besonders bei einer Frage standen auch Thomas und ich erstmal ratlos da:

Finde den Oberbegriff zu:

Aschenbecher, Schüssel, Besen

Da keinem von uns was dazu einfiel, stellten wir das erstmal zurück. Andere Wortgruppen wie Gras/Blätter/Erbsen waren dann aus anderen Gründen tricky. Farben sind für Kai noch schwierig zuzuordnen. So weiß er hier zwar, dass alle drei dieselbe Farbe haben, aber wie man die spricht und schreibt, ist dann eine andere Sache. Aphasie ist wirklich eine komplizierte Sache…

Wieder andere Wortgruppen hätte manch einer vermutlich mit dem nächstgelegenen Begriff beantwortet: Pferd/Hund/Katze z.B. mit „Tiere“. Kais Hirn schickte ihm stattdessen, das ebenso richtige, aber um einiges komplexere „Säuger“. Genauso bei Sonne/Mond/Sterne: Statt „Himmelskörper“ platzte aus Star-Trek-Kenner Kai sofort ganz selbstverständlich „Milchstraße“ heraus.

Auch bei mündlichen Übungen, die wir am nächsten Tagen machten, gab Kai sich nie mit dem Offensichtlichen zufrieden: Auf „Nenne mal drei Instrumente.“, antwortete er „Tuba, Oboe und Geige“. Manche Frage wie die nach drei Bestandteilen vom Bett („Kissen, Decke, Matratze“) war ihm gar von Anfang an zu profan.

Aber zurück zu den Hausaufgaben: Die Suche nach dem Oberbegriff von Glas/Baumwolle/Papier gestaltete sich schon schwiergier. Und als das Wort dann endlich raus war und geschrieben vor ihm stand, meinte Kai: „Ach… material (englisch gesprochen)!“ und fing an „Material Girl“ von Madonna zu singen. „Sag das doch gleich!“, flachste er.

Dieses Vermischen von Englisch und Deutsch ist auch typisch für Kais Aphasie. Oft fallen ihm Begriffe in Englisch eher ein und so kann ein Satz dann schon mal aus deutschen und englischen Wörtern bestehen. Als mir dann endlich die Lösung zur ganz oben genannten Frage einfiel, machte ich mir das Sprachen-Vermischen zunutze, und fragte ihn: „In my kitchen I’m using many….?“ und bekam ganz prompt und selbstverständlich „utensils“ zur Antwort. Direkt übersetzen kann Kai durch die Aphasie meist nicht, also kämpfte er sich zunächst durch das Aufschreiben des englischen Worts durch, um dann am Schriftbild zu erkennen, wie das deutsche Wort heißt: „Utensilien!“

Unnötig zu erwähnen, dass ich stolz wie Bolle auf ihn bin! Noch vor wenigen Monaten wäre so eine Aufgabe völlig undenkbar gewesen. Heute kann er sie relativ zügig lösen, wobei das natürlich wie immer vor der Tagesform abhängig ist. Aber auch für den chronisch ungeduldigen Kai ist inzwischen nicht mehr zu leugnen, dass es zwar langsam aber stetig bergauf geht.

Durch die Erfahrung aus den vergangenen Monaten wissen wir mittlerweise auch besser einzuschätzen, was es zu bedeuten hat, wenn es mal stockt. „Ein Schritt zurück und dann zwei vor“ sagt Kai dazu, denn seine Fortschritte gehen immer denselben Weg: Nach einer sehr aktiven Phase scheint das Gehirn eine Pause zu brauchen und Anlauf zu holen bevor es dann wieder einen ordentlichen Sprung nach vorn tut.

Titelfoto © Annette Schwindt

Ältestes Fitznersches Manuskript wieder aufgetaucht

In Kais Bio wird sie erwähnt, doch zu Gesicht bekommen haben wir sie bisher nicht: Die Geschichte vom geschenkegierigen Hasen. Kais erstes schriftstellerisches Werk, handgebunden und verfasst im Alter von sieben Jahren zum Geburtstag seiner Oma. Bei seinem Umzug kürzlich ist das mittlerweile 40 Jahre alte Dokument wieder ans Licht gekommen. Hier ein Transkript:

Die Geschichte vom geschenkegierigen Hasen

Es begann an einem schönen Frühlingsmorgen. Alles im Silberwald schlief. Nur Hurzelpurzel und die anderen Hasen versammelten sich in Hurzelpurzels Wohnung und übten ein Geburtstaglied, denn heute hatte Purzelhurzel Geburtstag und am Nachmittag wollten sie ihm ein Ständchen bringen.

Inzwischen war es Nachmittag geworden und sie standen vor Purzelhurzels Wohnung. Hurzelpurzel sagt: „1,2,3 und los!“ Und sie sangen: „Happy bothtey toyou, happy bothtey toyou, happy bothtey Purzelhurzel, happy bothtey toyou!“

Da machte Purzelhurzel das Fenster auf und rief: „Habt ihr auch Geschenke mitgebracht?“
„Nein“, riefen die Hasen im Chor.
„Dann schert euch zum Teufel!“

Am Abend kamen die Hasen wieder, mit Geschenken. Und wieder fragte Purzelhurzel: „Habt ihr Geschenke mitgebracht?“
Aber diesmal riefen die Hasen: „Ja!“
„Dann dürft ihr reinkommen!“

Als sie drin waren, gaben sie Purzelhurzel die Geschenke. Aber als er sie aufmachte, kriegte er einen Schock, denn aus jedem Paket war ein Sprungteufel. Und der von Hurzelpurzel hatte an der Nase einen Zettel auf dem stand:

Nicht nur von Geschenken wird man glücklich

Und jedes Jahr wenn Purzelhurzel Geburtstag hat, fragt er: „Habt ihr auch keine Geschenke mitgebracht?“

ENDE

Eine Leseprobe aus „Krumme Dinger“

Wie schon auf der Buchseite zu lesen steht, geht es in Kai-Eric Fitzners neuestem Roman „Krumme Dinger“ nicht ganz mit rechten Dingen zu im guten alten Oldenburg. Journalist Hauke kommt der Sache mehr zufällig auf die Spur und reitet sich ganz schön rein… Gut, dass ihm sein Schulkamerad Jan-Ole über den Weg läuft, der inzwischen bei der Polizei arbeitet und noch so manch anderes Talent beweist. Auch wenn der Typ am Anfang ganz schön nervt…

Hier treffen sich die beiden gerade zum zweiten Mal im Ulenspegel (Kneipe in Oldenburg):

Hauke nahm einen tiefen Schluck des bitteren Gebräus und fragte sich, warum er so nervös war. Schon seit einigen Tagen fühlte er sich wie in Watte gepackt, als wäre er gar nicht wirklich da, sondern gefangen in einem Traum, einem immerwährenden Tagtraum.
»Hauke?«, fragte eine ihm bekannte Stimme, begleitet von einer vor seinen Augen hin und her wischenden Hand.
»Jan-Ole! Mann, ich war gerade voll in Gedanken.«
»Konnte man wohl sehen«‚ antwortete Jan-Ole mit einem beinahe erleichtert wirkenden Lächeln, das Hauke nicht zu deuten vermochte.
»Hermann. Wie geht’s, wie steht’s?«‚ rief Jan-Ole dem Wirt zu.
»Ole, alte Pflaume. Willst du ’n Tee?«
»Klar doch.«
»’n Tee«, kicherte Hauke und nahm einen Schluck Guinness, während Jan-Ole seine Jacke ablegte und sich an den Tisch setzte. Es war das erste Mal, dass Hauke ihn in Zivil sah. Jan-Ole machte auch ohne Uniform eine sehr gute, sportliche Figur. Seine dichten, blonden Haare, die sonst unter der Schirmmütze der Uniform steckten, waren perfekt gestylt.
(…)
»Dein Tee«, meldete sich Hermann, der Wirt.
»Gehört der zu dir?«, fragte er Jan-Ole, als wäre Hauke gar nicht da.
»Ja, klar. Das ist Hauke. Ist bei der Zeitung.«
»Zeitung?«
»Oldenburg Report«, erklärte Jan-Ole und fing wieder an zu lachen. Hermann stimmte aus voller Brust ein.
»Du trinkst ja wirklich Tee«, bemerkte Hauke.
»]a, ich vertrag keinen Alkohol.«
»Gar nicht?«
»Nee. Hab dann immer ’n dicken Kopf am nächsten Tag, komm schlecht raus und so. Also lass ich’s lieber.«
»Vernünftig. Kann ich noch eins?«, rief Hauke dem Wirt zu und hob sein Guinnessglas.
(…)
»Liebeskummer?«
»Nee. Eigentlich nicht. Aber die letzten Tage waren ziemlich aufreibend.«
»Aufreibend? Mann, du quatschst immer noch so geschwollen wie damals.«
»Ein Guinness für den Mann von der Zeitung«‚ unterbrach ihn Hermann, stellte das Glas vor Hauke hin und zog wieder ab.
»Also erzähl. Was war denn so aufreibend?«
(…)
»Ich musste mich in neue Themen einarbeiten. Diese Sache mit dem Berliner Platz.«
»Das Einkaufszentrum?«
»Die Mall.«
»Die was?«
»Was soll das denn sein?« »Das ist Amerikanisch.«
»Und was heißt das?«
»Einkaufszentrum.«
»Amen«‚ sagte Jan-Ole und trank einen Schluck Tee.
»Die Frau vom ToFOU.« Weiter kam Hauke nicht, weil er selbst zu lachen anfing. »ToFOU, Scheiße.«
»Was ist das denn schon wieder?«
»ToFOU? Das Büro für Touristik und Fremdenverkehr in Oldenburg und Umgebung. Die nennen sich Tofu. Ist das nicht geil?«
»Und was ist Tofu?«
»Dieser chinesische Bohnenstich.«
»Bohnenstich?«
»]a, Wie Eierstich, nur aus Sojabohnen.«
»Aha. Und das ist lustig?«
»Fand ich schon, aber solche Sachen sind natürlich immer ein bisschen doof, wenn man sie erklärt.«
»Ja, das kenn ich. Wahrscheinlich kapier ich’s, wenn ich mir das nächste Mal einen runterhole.«
Hauke fiel vor Lachen fast vom Stuhl, also lachte Jan-OIe einfach mit.
»Und was ist jetzt mit deiner Freundin?«‚ fragte Jan-Ole abrupt
»Wieso? Was soll mit der sein?«, wollte Hauke wissen, während er sich die Tränen aus den Augenwinkeln wischte.
„Du hast doch ne Freundin, oder?«
Ja, ich denke schon. Das ist allerdings ein bisschen kompliziert. Ich hab sie zwei Jahre lang nicht gesehen, weißt du? Sie war in den USA, studieren. Und vorvorgest … « Hauke begann die vergangenen Tage an seinen Fingern abzuzählen, kam damit aber nicht weiter. »Am Samstag war ich im Mozart, und da treffe ich sie zufällig wieder. Und plötzlich sind wir wieder ein Paar, ganz so wie früher, nur …«
»Nur was?«
»Ich weiß gar nicht, wie ich das beschreiben soll. Es ist irgendwie so surreal. Sie ist so unkompliziert und toll und sexy und …«
»Das klingt doch gut«
»Ja, klar. Super. Aber … Ich weiß nicht, wie ich es sagen soll, irgendwie… Wir haben uns zwei Jahre nicht gesehen… Ich habe eigentlich kaum an sie gedacht in der ganzen Zeit. Nie hätte ich damit gerechnet, dass sie wieder in mein Leben kommt.«
Hauke nahm noch einen Schluck Guinness und wunderte sich, dass er Jan-Ole so viel von sich erzählte. Jan-Ole war nun wirklich nicht derjenige, den er sich als zuhörenden Freund vorstellte. Aber bei genauer Überlegung hatte er eigentlich gar keine richtigen Freunde, und irgendwie war doch recht viel in letzter Zeit passiert, da musste er wohl was loswerden.
»Und?«, hakte Jan-Ole nach.
»Und plötzlich ist sie da und tut so, als würden wir nächste Woche heiraten, wenn du verstehst, was ich meine.«
»Nö.«
»Es ist plötzlich alles so … so wir
»Und was sagt sie dazu?«
»Ich habe keine Ahnung. Hab sie noch nicht danach gefragt.«
»]a, dann wird’s aber Zeit, oder?«
»Wahrscheinlich hast du recht. Krieg ich noch eins?«, rief Hauke dem Wirt zu. »Ich wäre schon tot, wenn ich das getrunken hätte, kommentierte Jan-Ole, als er plötzlich zusammenzuckte. Er griff in seine hintere Hosentasche und zog ein kleines Gerät hervor.
»Scheiße«‚ sagte er. »Ich muss nach Hause.«
»Wieso, was denn?«
»Ich ruf dich an, Hauke. Hermann«, rief er dem Wirt zu und stürzte aus der Tür.
»Mach’s gut«, rief Hermann hinterher und brachte Hauke das neue Guinness.
»Wohl bekomm’s.«
»Hat er das öfter?«, fragte Hauke.
»]a«, antwortete der Wirt und verzog sich wieder hinter die Theke.

Weitere Infos zum Buch:

Kai-Eric Fitzner
„Krumme Dinger“
Kriminalroman

Taschenbuch, Knaur TB
ISBN: 978-3-426-51912-7

E-Book, Knaur eBook
ISBN: 978-3-426-43916-6

Mehr dazu auf der Verlagsseite lesen

Ein Barcamp, ein Podcast und Krumme Dinger

Bei seinem dritten Besuch in Bonn hatte Kai volles Programm: Gleich am ersten Tag nach seiner Ankunft wurden wir zum #SozialCamp zugeschaltet, um über #einRadfuerKai und darüber zu berichten, wie man ein Projekt komplett digital – also ohne persönliche Treffen – erfolgreich durchführen kann. Das Ganze wurde von Thomas vor Ort moderiert, Kai und ich waren per Skype dabei. Die komplette Dokumentation samt Sketchnotes gibt es unter http://www.annetteschwindt.de/2017/09/04/einradfuerkai-sozialcamp-2017/. Hier der Videomitschnitt:

Zwei Tage später folgten Podcast-Aufnahmen bei Irgendwas mit Menschen zum Thema „Was ist sozial?“, allerdings kamen wir ziemlich schnell vom Thema ab und landeten beim Thema digitale Medien: https://irgendwas-mit-menschen.com/iwmm-podcast-013-annette-schwindt-kai-eric-fitzner/

Cover des Romans Krumme DingerDAS Highlight von Kais Besuch war jedoch sein neuer Roman „Krumme Dinger“, der am 1. September erschienen ist. Kai hatte sein Vorab-Exemplar dabei, das wir zusammen verschlungen haben. Das Manuskript zum Buch stammt noch aus der Zeit vor Kais Schlaganfall und wurde vom Verlag bearbeitet, da Kai so etwas noch nicht selbst tun kann. So war es auch für ihn eine – teils sehr emotionale – Entdeckungsreise, das fertige Buch vorgelesen zu bekommen.

Mehr dazu auf der Buchseite und demnächst hier im Blog. 😉

Passend zu der Neuerscheinung haben wir auch die Website hier um einige Seiten erweitert. So gibt es jetzt nicht nur eine Seite für Kais Veröffentlichungen, die über „Willkommen im Meer“ und „Krumme Dinger“ hinausgehen. Es gibt auch eine eigene Seite für die im Netz verstreuten Mitschnitte von Kais früheren Vorträgen. Also klickt Euch mal durch. 😉

Und zum Schluss wie immer eine kleine Fotogalerie zum Besuch in Bonn:

Danke an

Alle sonstigen Fotos © Annette Schwindt

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„Acht Jahre? Das schaff ich!“

Wer Kai auf Facebook folgt, konnte sehen, dass er kürzlich einen TED-Talk geteillt hat, den er bereits 2013 schon mal gepostet hatte. Darin erzählt die Neurowissenschaftlerin Jill Bolte Taylor davon, wie sie ihren eigenen Schlaganfall erlebt hat. Hier das Video mit Option für deutsche Untertitel:

Nun konnte Kai 2013 ja noch nicht wissen, dass er zwei Jahre später selbst einen Schlaganfall haben würde. Nein, damals interessierte er sich einfach dafür, weil er sich schon im Studium mit den Vernetzungen im Gehirn beschäftigt hatte und darüber auch später in seinen Vorträgen sprach, um die Parallelen zur Vernetzung im Internet aufzuzeigen.

Jetzt, vier Jahre später, und etwas mehr als zwei Jahre nach seinem eigenen Schlaganfall, fiel ihm der Vortrag der Amerikanerin wieder ein. Er schaute ihn sich noch einmal an – diesmal mit eigener Erfahrung, wovon sie da spricht. Und siehe da, das meiste, was sie sagt, könne er „Wort für Wort unterschreiben“, erzählt er mir.

Als Jill Bolte Taylor am Ende erwähnt, dass sie acht Jahre gebraucht hat, um sich wieder ganz zu erholen, sagt Kai: „Acht Jahre? Das schaff ich!“ Und wenn ich sehe, was bei ihm in letzter Zeit für Fortschritte passieren, dann hab ich daran auch keine Zweifel!

Nachtrag: Während ich diesen Blogartikel plane, kommt der Briefträger und bringt mir Post von Kai – zum ersten Mal mit eigenhändig geschriebener Adresse und Absender.

 

Die Fahrradtasche ist fertig

Lange hat es gedauert, aber nun ist es vollbracht: Die Namen der Unterstützer vom Crowdfunding, die sich dafür entschieden hatten, auf Kais Fahrradtasche verewigt zu werden, sind endlich an Ort und Stelle und fahren nun mit Kai durch Oldenburg:

Rechte Seite der Fahrradtasche

Durch die Sommerferien hatte sich das Ganze etwas verzögert und dann gab es ein Missverständnis zwischen dem Grafiker und uns. Wir wollten einfache Aufkleber, damit Kai sie selbst aufbringen kann. Die Profis schickten uns jedoch die zwar haltbareren, aber leider für Kai selbst nicht umsetzbaren Aufbügel-Sticker. Die waren reichlich heikel beim Aufbringen, aber nun ist es geschafft. Ein paar Stellen müssen noch ausgebessert werden, aber insgesamt sollte das jetzt halten. 😉

Linke Seite der Fahrradtasche

Kai sagt allen noch einmal vielen herzlichen Dank!

Das Rad hat viel für ihn bewegt. Nicht nur hat sich sein Radius dadurch enorm vergrößert, durch die Bewegung ist er außerdem fitter geworden, was sich nicht nur körperlich ausgewirkt hat, sondern auch die sonstige Genesung vorangebracht hat. So hat ihm seine Logopädin gerade enorme Fortschritte beim Sprechen, Lesen und Schreiben attestiert. Frisch motiviert hat Kai seinen Kalender gleich mit weiteren Therapieterminen gefüllt.

Als einzige verbleibende Prämie aus dem Crowdfunding steht jetzt noch die Fahrradtour mit den entsprechenden Unterstützern aus. Diese ist gerade in Planung und wir werden natürlich auch darüber berichten. 🙂