Ab jetzt motorisiert

Die letzten Wochen waren ganz schön anstrengend für Kai, da er vorübergehend ohne sein Rad auskommen musste. Über anderthalb Jahre ist es her, dass ihm über das Crowdfunding #einRadfuerKai sein Liegefahrrad finanziert wurde. Seitdem fährt er täglich damit. Ob nur zum Spaß, ob zur Therapie oder zum Einkaufen: Ohne den Scorpion geht gar nichts. Und auch wenn ihm das Fahrradfahren zu mehr Bewegung und damit zu vielen anderen Fortschritten verholfen hat, so musste Kai sich doch eingestehen, dass er wegen seiner verminderten Herzleistung körperlich einfach nicht so kann wie er möchte. Weitere Strecken oder das Fahren bei ungemütlichem norddeutschen Wetter erwiesen sich mit der Zeit als zu anstrengend.

Abhilfe schafft nun ein Zusatzmotor. Doch um den einbauen zu können, musste das Rad eingeschickt werden. Damit war Kai gezwungen, sich zu Fuß und mit dem Bus fortzubewegen. Das kostete ihn nicht nur viel Kraft, sondern auch viel mehr Zeit als sonst. Außerdem konnte er nicht zur nächstgelegenen Bushaltestelle, da die Straße wegen eines Brandes länger für den Bus gesperrt war. Statt Einkäufe in die neuen Fahrradtaschen oder seinen Anhänger zu packen, blieb ihm nur der Rucksack, den er aber nicht weit schleppen kann.

Seit ein paar Tagen ist der Scorpion nun wieder bei seinem erleichterten Besitzer. Bis zu 25 km/h erreicht Kai jetzt mit dem Elektromotor. Der ist überraschend klein und vorn im Tretlager eingebaut. Hinter dem Sitz ist außerdem der Akku positioniert:

Damit kann Kai jetzt auch bei Gegenwind oder auf längeren Strecken klar kommen und vor allem wieder seinen Alltag unabhängig bestreiten.

Übrigens: Die alten blauen Fahrradtaschen mit den Namen der Spender hängen inzwischen bei Kai zuhause an der Wand und erinnern weiter an #einRadfuerKai.

Vom „Croozen“ und von Surfproblemen

Nachdem Kais Rad doch ein wenig unter den winterlichen Temperaturen gelitten hatte, wurden kürzlich die heftig quietschenden Bremsen ausgetauscht. Bei dieser Gelegenheit wurde gleich eine Anhänger-Kupplung angepasst, denn Kai fährt jetzt mit Croozer (s. Bild oben). Mit diesem Anhänger kann er mehr und v.a. auch größere Dinge transportieren als sie bisher in seine Radtasche gepasst haben.

Das Transportieren von Daten ist derweil nicht so einfach für ihn. Die Internetverbindung in seiner WG hat Probleme und kann erst gegen Ende Juni repariert werden… Gleichzeitig verabschiedete sich auch noch sein Smartphone. Was für andere vielleicht ärgerlich ist, bedeutet für Kai einiges an Problemen, da er seinen Alltag stark digital organisiert. Auch in Sachen Aphasie sind digitale Hilfsmittel wichtig für ihn. Von unseren Skype-Gesprächen mal ganz zu schweigen. Diese Gespräche konnten wir inzwischen dank Kais großen Fortschritten mit Erfolg via Telefon weiter führen.

Nach ein paar Tagen fand sich glücklicherweise jemand, der Kai wenigstens eine improvisierte Leitung bauen konnte, und so schaffen wir es jetzt zumindest, Mails zu schicken oder kurze Videochats aufrecht zu erhalten. So konnten wir auch ein neues Smartphone bestellen, das wir bei Kais nächstem Bonn-Besuch einrichten werden. Das alte konnte er für die Übergangszeit nochmal wiederbeleben. (Wie Kai seine Zeit verbringt, wenn er bei uns in Bonn ist, habe ich übrigens kürzlich in meinem Blog aufgeschrieben.)

Bei Kais Geburtstagsparty im Mai haben wir außerdem unsere neuen Team-Shirts eingeweiht, die #teamsutsche als Kunstwerk der spanischen Künstlerin tutticonfetti ziert. Inzwischen haben wir auch alle noch welche mit unseren einzelnen Avataren vorn und dem kompletten Team auf dem Rücken:

Shirt von #teamsutsche mit den Bildern von tutticonfetti

Kleiner Nachtrag noch zum vorigen Blogartikel hier: Kais Logopädin meinte, es gebe bei diesen Aufgaben keine alleingültigen Antworten. „Utensilien“ sei daher genauso richtig gewesen, wie z.B. „Haushaltsgegenstände“, was man auch hätte antworten können. So oder so sei diese Frage vielleicht ohnehin nicht mehr zeitgemäß und fliegt daher vermutlich demnächst aus dem Aufgabenblatt. Mittlerweile beschäftigt sich Kai mit dem Schreiben und Buchstabieren und auch das nicht auf die althergebrachte Weise, sondern über die Phonetik.

Für kommenden März ist geplant, dass wir bei den Aphasietagen in Würzburg einen Vortrag über Kais Fortschritte dank digitaler Kommunikation halten werden. In Vorbereitung darauf hören wir gerade das Audiobook von Jill Bolte Taylor „My stroke of insight“, in dem die Neurowissenschaftlerin – wie schon in ihrem hier im Blog vorgestellten TED-Vortrag –  davon erzählt, wie sie ihren eigenen Schlaganfall erlebt hat. Und das natürlich in englischer Sprache! Zu einfach darf es bei Kai nicht werden, das wäre ja zu langweilig. 😉

 

Ein Barcamp, ein Podcast und Krumme Dinger

Bei seinem dritten Besuch in Bonn hatte Kai volles Programm: Gleich am ersten Tag nach seiner Ankunft wurden wir zum #SozialCamp zugeschaltet, um über #einRadfuerKai und darüber zu berichten, wie man ein Projekt komplett digital – also ohne persönliche Treffen – erfolgreich durchführen kann. Das Ganze wurde von Thomas vor Ort moderiert, Kai und ich waren per Skype dabei. Die komplette Dokumentation samt Sketchnotes gibt es unter http://www.annetteschwindt.de/2017/09/04/einradfuerkai-sozialcamp-2017/. Hier der Videomitschnitt:

Zwei Tage später folgten Podcast-Aufnahmen bei Irgendwas mit Menschen zum Thema „Was ist sozial?“, allerdings kamen wir ziemlich schnell vom Thema ab und landeten beim Thema digitale Medien: https://irgendwas-mit-menschen.com/iwmm-podcast-013-annette-schwindt-kai-eric-fitzner/

Cover des Romans Krumme DingerDAS Highlight von Kais Besuch war jedoch sein neuer Roman „Krumme Dinger“, der am 1. September erschienen ist. Kai hatte sein Vorab-Exemplar dabei, das wir zusammen verschlungen haben. Das Manuskript zum Buch stammt noch aus der Zeit vor Kais Schlaganfall und wurde vom Verlag bearbeitet, da Kai so etwas noch nicht selbst tun kann. So war es auch für ihn eine – teils sehr emotionale – Entdeckungsreise, das fertige Buch vorgelesen zu bekommen.

Mehr dazu auf der Buchseite und demnächst hier im Blog. 😉

Passend zu der Neuerscheinung haben wir auch die Website hier um einige Seiten erweitert. So gibt es jetzt nicht nur eine Seite für Kais Veröffentlichungen, die über „Willkommen im Meer“ und „Krumme Dinger“ hinausgehen. Es gibt auch eine eigene Seite für die im Netz verstreuten Mitschnitte von Kais früheren Vorträgen. Also klickt Euch mal durch. 😉

Und zum Schluss wie immer eine kleine Fotogalerie zum Besuch in Bonn:

Danke an

Alle sonstigen Fotos © Annette Schwindt

MerkenMerken

MerkenMerken

Die Fahrradtasche ist fertig

Lange hat es gedauert, aber nun ist es vollbracht: Die Namen der Unterstützer vom Crowdfunding, die sich dafür entschieden hatten, auf Kais Fahrradtasche verewigt zu werden, sind endlich an Ort und Stelle und fahren nun mit Kai durch Oldenburg:

Rechte Seite der Fahrradtasche

Durch die Sommerferien hatte sich das Ganze etwas verzögert und dann gab es ein Missverständnis zwischen dem Grafiker und uns. Wir wollten einfache Aufkleber, damit Kai sie selbst aufbringen kann. Die Profis schickten uns jedoch die zwar haltbareren, aber leider für Kai selbst nicht umsetzbaren Aufbügel-Sticker. Die waren reichlich heikel beim Aufbringen, aber nun ist es geschafft. Ein paar Stellen müssen noch ausgebessert werden, aber insgesamt sollte das jetzt halten. 😉

Linke Seite der Fahrradtasche

Kai sagt allen noch einmal vielen herzlichen Dank!

Das Rad hat viel für ihn bewegt. Nicht nur hat sich sein Radius dadurch enorm vergrößert, durch die Bewegung ist er außerdem fitter geworden, was sich nicht nur körperlich ausgewirkt hat, sondern auch die sonstige Genesung vorangebracht hat. So hat ihm seine Logopädin gerade enorme Fortschritte beim Sprechen, Lesen und Schreiben attestiert. Frisch motiviert hat Kai seinen Kalender gleich mit weiteren Therapieterminen gefüllt.

Als einzige verbleibende Prämie aus dem Crowdfunding steht jetzt noch die Fahrradtour mit den entsprechenden Unterstützern aus. Diese ist gerade in Planung und wir werden natürlich auch darüber berichten. 🙂

Und weiter geht’s

Wer Kai auf Facebook folgt, hat mitbekommen, dass sein Sommer dann doch nicht wie im letzten Blogartikel angekündigt abgelaufen ist. Bereits nach ein paar Tagen in Portugal war klar, dass das nicht das Richtige für ihn ist. Also kam er zurück nach Oldenburg und machte sich eine Woche später auf zu uns nach Bonn, wo wir wieder eine tolle Zeit verbracht haben. Viele der dabei entstandenen Fotos haben wir bereits auf Facebook oder Instagram gepostet. Hier nochmal ein paar davon:

Außerdem gibt es drüben auf annetteschwindt.de auch ein Best of der Portraitfotos, die ich in Schwarz-Weiß von Kai gemacht habe.

Nachdem Kai dann wieder zurück in Oldenburg war, ist auch das Material für die Applikation der Spendernamen auf die Fahrradtasche angekommen. Leider können die nicht mal eben so aufgeklebt werden, sondern müssen auf spezielle Weise aufgebügelt werden. Damit dabei ja nichts schief geht, haben wir eine genaue Anleitung angefordert. Sobald die angekommen ist, wird das Ganze dann in die Tat umgesetzt und wir werden berichten. Dasselbe gilt für die noch ausstehende Fahrradtour.

Jetzt möchte Kai erst mal seine Therapien wieder aufnehmen. Das fehlende Training in den vergangenen Wochen macht sich schon bemerkbar und Kai flucht über jeden Regentag, an dem er noch nicht wieder mit seinem Fahrrad raus kann. Dafür macht er sichtbare Fortschritte beim Lesen und auch die rechte Hand ist, seit wir uns das letzte Mal persönlich gesehen haben, kräftiger geworden. Natürlich geht Kai das alles trotzdem zu langsam. Aber wenn ich vergleiche, wie ich ihn vor fünf Monaten zum ersten Mal kennengelernt habe und wie es ihm jetzt geht, dann ist da schon ein gewaltiger Unterschied! Und Kai ist weiter motiviert, sich richtig reinzuhängen! Weiter geht’s also! 🙂

 

Alle Fotos © Annette Schwindt
außer Galeriefotos 1, 3, + 10 © Kai-Eric Fitzner

Der Sommer kommt

Keine Sorge, wir haben die Prämien vom Crowdfunding nicht vergessen. Es dauert nur seine Zeit bis wir mit Unterstützung von sport grenzenlos alles umgesetzt bekommen. Die Dankesmails sind bereits rausgegangen, die Postkarten müssen noch unterschrieben werden, was für Kai ein ganzes Stück Arbeit bedeutet. Und um die Namen auf die Fahrradtasche zu bekommen, haben wir speziell für das Taschenmaterial abgestimmte Aufkleber bestellt, die noch gedruckt, verschickt und dann aufgebracht werden müssen. Auch die signierten Trikots sind in Arbeit.

Die Unterstützer, die sich für die Fahrradtour in Oldenburg qualifiziert haben, sollten sich mal auf einen Termin ab Mitte/Ende August einstellen. Wenn es das Wetter zulässt, übt Kai täglich mit dem neuen Rad. Er hat auch schon ein paar erste Touren mit Freunden gemacht, aber das strengt ihn noch ganz schön an. Die Fahrradtasche ist auch täglich in Gebrauch, egal, ob es zum Einkaufen, oder zur Therapie, oder einfach nur raus geht.

Leider hatten sich die zuerst eingebauten Pedale als Fehlentscheidung erwiesen, konnten aber dank des Fahrradladens auf Garantie umgetauscht werden. Jetzt kann Kai seinen rechten Fuß wie beim Testfahrrad per Band festmachen, so dass er ihm nicht beim Fahren rausfällt.

Wie es weitergeht

Ende Juni verabschiedet sich Kai dann wie jedes Jahr erst mal nach Portugal, um für kommende Ereignisse aufzutanken. Im September erscheint nämlich ein zweites Buch von ihm, das er noch von vor dem Schlaganfall in der Schublade hatte. Diesmal handelt es sich um einen Kriminalroman. „Krumme Dinger“ heißt er und spielt wieder in Oldenburg. Mehr dazu auf der Seite des Verlags: https://www.droemer-knaur.de/buch/9254853/krumme-dinger.

Und natürlich geht auch unser gemeinsames (weiterhin wenn möglich tägliches) Skypen und das daraus resultierende Blogschreiben weiter. In der Zeit in Portugal wird es wohl kaum täglich möglich sein, was nach über vier Monaten sicher ungewohnt sein wird. Aber da müssen wir jetzt eben durch. Hier und da wird sich schon ein Ort mit Internetverbindung finden, über den wir uns austauschen können. Also nicht wundern, wenn es in den nächsten Wochen hier im Blog nichts Neues gibt. Wir kommen wieder, keine Frage! 😉

Damit verabschieden wir uns in die Sommerferien
und wünschen allen Lesern eine schöne Zeit!

Kai und Annette via Skype

Titelfoto © Kai-Eric Fitzner
Skype-Screenshot © Annette Schwindt

Weiter geht’s!

Nach einer kleinen Pause hier im Blog melden wir uns mit gleich mehreren Themen zurück:

Die Daten sind da

Wir haben endlich die Spenderdaten aus dem Crowdfunding von fairplaid bekommen und können nun mit dem Organisieren der Prämien beginnen. Holger Nikelis von sport grenzenlos ist als Initiator des Crowdfundings außerdem ab kommender Woche für Rückfragen in Sachen Spendenquittungen oder sonstige Rückfragen ansprechbar.

Zur Statistik: Über 180 Leute haben Beträge zwischen 5 und 500 Euro für #einRadfuerKai gegeben. Manche haben sogar zweimal gespendet, weil sie sich für zwei verschiedene Prämien interessierten. 🙂

Euch allen auch hier noch einmal VIELEN HERZLICHEN DANK!

Ich habe Kai heute die Namen der Spender vorgelesen und er konnte kaum fassen, wie viele Menschen ihm dabei geholfen haben, sich den Traum vom Rad zu erfüllen. Er war sehr, sehr gerührt und lässt allen seine tiefste Dankbarkeit ausrichten! 🙂

Kurzurlaub in Bonn

Annette und KaiEin weiterer Grund, warum wir hier so still waren: Kai hat meinen Mann Thomas und mich in Bonn besucht. Eigentlich wollten wir dabei Videos für das Blog hier machen und hatten uns auch allerlei andere Sachen vorgenommen, aber wie das dann immer so ist: Das Zusammentreffen allein – unser Allererstes! – hat uns so in Beschlag genommen, dass wir zu mehr einfach nicht in der Lage waren. 😉

Der letzte Tag von Kais Besuch war sein Geburtstag und damit kam auch die Erinnerung an Herzprobleme und Schlaganfall vor zwei Jahren hoch. So verbrachten wir den Abend davor halb mit in den Geburtstag reinfeiern und halb mit Tränen und sehr ernsten Gesprächen… Am nächsten Morgen ging es dann für Kai leider schon wieder zurück nach Oldenburg, aber es wird – so hat er es versprochen – nicht der letzte Besuch in Bonn gewesen sein. 😉

Mehr Fotos von Kais Zeit in Bonn und ein Sangesvideo gibt es in meinem Blog unter http://www.annetteschwindt.de/2017/05/09/the-sutsche-days/

Immer noch derselbe

Der dreijährige Kai auf seinem DreiradWo wir schon beim Thema Fotos sind: Neulich haben wir alte Fotos aus Kais Kindheit angeschaut und dabei dieses Bild von Klein-Kai auf seinem ersten Dreirad gefunden. Ich musste so lachen, als ich das Foto sah, weil sich unter den Fotos vom ersten Testen des neuen Radmodells ein Bild befindet, bei dem Kai exakt denselben Gesichtsausdruck hat. Vergleichsbild siehe Titelbild oben. 😉

Soviel für dieses Mal.
Wir melden uns bald wieder. 😉

Fotos © Kai-Eric Fitzner

Das Rad ist da!

Eigentlich war es schon Gründonnerstag angekommen, aber wegen des schlechten Wetters über Ostern konnte Kai sein neues knallorangefarbenes Rad erst am folgenden Dienstag abholen. Aber dann ging’s gleich los. Zum Fotos rüberschicken bekam ich zehn Minuten Skype an diesem Tag, danach war Kai „Freude schöner Götterfunken“ trällernd gleich wieder weg. Am ersten Abend kam er kaum noch die Treppen zur Wohnung hoch, der Muskelkater fiel entsprechend aus. 😉

„Freiheit!“ bedeute das Rad für ihn, erzählt er mir . „Aber geht ins Bein… Ich mach langsam, jeden Tag ein bisschen weiter fahren.“ Kai grinst wie ein Honigkuchenpferd, jedes Mal wenn die Sprache auf das Rad kommt. Regenzeug hat er sich auch gleich besorgt, damit er sich von so ein bisschen Wasser vom Himmel nicht vom Fahren abhalten lassen muss. Und eine passende Baskenmütze.

Wenn wir dann mal zum Reden kommen, sprudelt es nur so aus Kai heraus. In den letzten Wochen hat er sprachlich große Fortschritte gemacht. Kein Telegrammstil mehr. Das Reden fällt ihm deutlich leichter und natürlich freut er sich darüber. Aber ungeduldig wie er ist, geht es ihm halt immer noch nicht schnell genug. Dass es mit dem Schreiben noch nicht so funktioniert, wie es soll, das frustriert ihn arg. Denn da ist soviel, was raus will.

Über Aphasie sprechen, ein Bewusstsein dafür schaffen, was das ist und wie es Leuten damit geht, das ist Kai ein wichtiges Anliegen. Vielleicht geht das ja auch anders als mit Schreiben? Podcasting? Videos? Mal schauen, wir tüfteln noch dran. Aber Fakt ist, hier soll es bald wieder mehr von Kai direkt geben.

„Du bist aber da, oder?“, schäkert er mit mir. – Logisch! Schließlich ist er nicht der einzige, der von unserem Austausch profitiert. Kai hat mich schon mehr als einmal aufgefangen, wenn es mir wegen meiner eigenen Herzgeschichte mies ging. So funktioniert Freundschaft. 😉

Ich frage ihn, ob ich noch was in diesen Artikel reinschreiben soll. „Ja! Danke! Vielen vielen Dank an alle!“ soll ich allen ausrichten, die beim Crowdfunding geholfen haben. Und schon ist er wieder los. Fahrradfahren! 😉

Kai Portraitfoto

Fotos: Alex Hesse

Nachtrag: Es wird noch etwas dauern, bis wir die Daten der Spender von fairplaid bekommen. Erst dann können wir Rückfragen beantworten und uns um die Prämien kümmern. Wir bitten also noch um etwas Geduld. 😉

Die Sache mit dem Fahrradhelm

Ein Thema, das Kai und mich während der Vorbereitung des Crowdfundings zu #einRadfuerKai beschäftigte, war das des Fahrradhelms. In seinem auch hier im Blog veröffentlichten Vortrag zum Thema Digitalisierung und Neuland hatte er (ab min 12.45)  u.a. darüber gesprochen, dass das Konzept des Fahrradhelms für ihn zu den Dingen gehört, die sich ihm nicht erschließen. Und das, obwohl er aus einer der fahrradreichsten Städte Deutschlands kommt. Nachdem ich diesen Teil des Vortrags gesehen hatte, fing ich an, ihn ein bisschen zu necken:

Annette: „Also, wenn das neue Fahrrad da ist, dann brauchst du aber einen Helm.“
Kai (grummelig): „Nö!“
Annette: „Doch, schau mal, wie niedrig du in dem Rad sitzt! Da wäre ein Helm schon besser.“
Kai (noch grummeliger): „Nein, brauch nicht!“

Beim nächsten Mal hatte ich noch ein zusätzliches Argument:

Annette: „Vielleicht ist ein Helm bei dem Rad-Typ sogar Pflicht?“
Kai: (beunruhigt): „Meinst Du?“
Annette: „Wer weiß?“
Kai (bockig): „Näää, will ich nicht!“
Annette: „Aber wenn du musst?“
Kai (grantig): „Muss nicht!“

Genug ist genug

So ging das immer mal wieder hin und her bis eines Tages…

Annette: „Also wenn das Crowdfunding funktioniert, dann kriegst du von mir den Helm dazu, ob du willst oder nicht!“
Kai (muffelig): „Nein!“
Annette (teast): „Hey, je mehr du dich wehrst, umso mehr tendiert dieser Helm gegen Rosa mit Blümchen!“

An dieser Stellle ging Kais Aphasie mit ihm durch. Was er wohl sagen wollte, war sowas wie ein seitenknuffendes „Blödmann!“.

Heraus kam statt dessen ein herzerfrischendes „ARSCH-“ gefolgt von einem halbverschluckten „-loch“, weil Kai mitten im Wort merkte, dass nicht das rauskam, was er sagen wollte, sondern ein ganz anderes, viel krasseres Wort, das er nicht mehr zurücknehmen konnte…

Total erschrocken schickte er gleich „Neineineiiin, anderes Wort!!!“ hinterher, aber ich war überhaupt nicht böse, sondern konnte nicht mehr vor Lachen. Die Situationskomik und Kais Mimik dazu waren einfach unbeschreiblich!

Schließlich haben wir beide darüber gelacht. 😉

Versprochen ist versprochen

Wir fanden dann übrigens auch noch heraus, dass es gar keine Helmpflicht gibt. Von mir hat er aber trotzdem einen Helm bekommen:

Fahrradhelm als Schlüsselanhänger

Versprochen ist ja versprochen! Den kann er jetzt als Talisman an seinem Schlüsselbund mitnehmen. 😉

Kais Reaktion darauf via Facebook-Messenger und meine Antwort:

Kai zeigt via Foto im Messenger, dass Fahradhelm angekommen ist, und setzt einen Schlaüülach-Emoji hinzu. Annette antwortet: Rosa mit Blümchen war leider ausverkauft. Zinker-Emoji.

 

Riesenerfolg für #einRadfuerKai

Ja, der Wahnsinn! Kaum hat unser Crowdfunding für Kais Fahrrad am Dienstagmorgen begonnen, geht es rund! Die ersten Unterstützer stehen schon parat bevor das Go durch unseren Projektstarter sport grenzenlos gegeben werden kann! Und als es los geht, kann man die Seite auf fairplaid.org gar nicht so schnell aktualisieren, wie die Zahlen nach oben schnellen.

Bereits am Nachmittag des ersten Tages überschreiten wir 40% der Crowdfundingsumme – und diesmal ist Kai live dabei! „Unfassbar!“, murmelt er immer wieder mit Blick auf die ständig weiter steigenden Zahlen und auf die Namen der Unterstützer, die er teils aus früheren Zeiten wiedererkennt.

Abends sind wir dann zum Podcast bei Christian Müller eingeladen: http://lebenskarriere.com/einradfuerkai/. Eine Premiere für Kai, der durch seine Aphasie noch Probleme mit dem Sprechen und Worte finden hat. Dementsprechend nervös ist er und bittet mich, bei Bedarf einzuspringen. Immerhin sind wir inzwischen ein eingespieltes Team. 😉

Am selben Abend steigen die Zahlen noch auf 55%, am nächsten Morgen sind es bereits 59%. Und so können wir auch an Tag 2 zuschauen, wie die Unterstützung sowohl finanziell als auch beim Weitersagen v.a. via Facebook und Twitter immer größer wird. Mittwochsabends haben wir bereits 85% erreicht.

Am 3. Tag, dem Donnerstag, dauert es dann nur noch bis Mittag, bis wir anfangen können, die letzten Prozente mit all den anderen gespannten Beobachtern runterzuzählen.

Als es noch 7% to go sind, sitzt Kai gerade bei seiner Logopädin, die ihn um Hilfe beim Übermitteln ihrer Spende gebeten hat. Das dauert seine Zeit für Kai, der mit dem Schreiben noch Probleme hat. „Ich so beim Eingeben“, erzählt mir Kai nachher, „und fertig, wir schauen: 101!“ Als ich wenig später bei ihm zuhause Raja am Telefon erreiche, kommt Kai gerade zur Tür rein. „Fertig!“ ist alles, was er noch sagen kann und damit meint er nicht bloß das Crowdfunding. 😉

Raja und ich können es auch kaum fassen. Keine zweieinhalb Tage hat das Ganze gedauert! Und beim Gedanken, dass Kai das diesmal alles mit ansehen konnte, ist es mit der Haltung ganz vorbei. Ich bitte Raja, den immer noch staunenden Kai mal kräftig von mir zu drücken und da kommen ihm dann auch die Tränen. „Wie geil“, murmelt er immer wieder. „Wie geil!“

Ich soll allen vielen vielen Dank sagen, bittet er mich.
Alles andere kann er nicht in Worte fassen.
„Noch nicht begriffen“, erklärt er mir, „brauche noch ein paar Tage zum Kapieren“.

Am Freitagmorgen ist Kai gleich zum Fahrradladen und hat das heißersehnte Rad samt Tasche bestellt, wie er mir nachmittags strahlend erzählt. Jetzt heißt es auf die Lieferung warten und dann werden wir natürlich berichten!

Übrigens: Auch nachdem die benötigte Summe für die Finanzierung von #einRadfuerKai erreicht wurde, könnt Ihr bis zum Ablauf unserer Frist weiter auf https://www.fairplaid.org/#!einradfuerkai spenden. Jeder Euro mehr, der beim Crowdfunding eingeht, wird der Arbeit unseres Projektveranstalters sport grenzenlos zugute kommen.

Inzwischen kann hier der Verlauf des Weitersagens nachgelesen werden.

Abenteuer Crowdfunding: #einRadfuerKai

„Scorpion!“ schwärmt Kai und zeigt mir ein Foto von einem Fahrrad, in dem man halb sitzend, halb liegend unterwegs ist. Bei einem Fahrradhändler in der Nähe haben Raja und er das Gefährt entdeckt und auch schon ausprobiert. „Mit links steuern, rechts Bein fest machen, dann auch bewegen!“, erklärt mir Kai den Clou an dem Modell. Das bedeutet: Im Gegensatz zu einem normalen Fahrrad kann er so ein Modell auch mit seiner halbseitigen Lähmung rechts  eigenständig benutzen und dabei noch beide Beine trainieren. Denn, wenn er mit dem linken tritt, bewegt sich das rechte mit. Zum Steuern braucht er nur die linke Hand, die rechte kann er in den Schoß legen.

„Mehr Unabhängigkeit!“ würde so ein Fahrrad für ihn bedeuten, seufzt er. Und „Training draußen“ an der frischen Luft, statt drinnen vor dem Fernseher mit dem Heimtrainer. Aber das Rad samt passendem Zubehör und individueller Anpassung auf den 1,90m großen Kai zu finanzieren, ist teuer und die Krankenkasse zahlt sowas nicht…

„Die finanzieren lieber einen um einiges teureren elektrischen Rollstuhl, mit dem er zwar von A nach B kommt, aber nicht selbst beweglicher wird“, erzählt Raja. Und das, nachdem sich Kai nach fast zwei Jahren schon so viel Eigenständigkeit zurückerobert hat, dass er kurze Strecken zu Fuß alleine zurücklegen und auch mal ein bisschen was einkaufen oder seinen jüngsten Sohn vom Hort abholen kann. Um zur Therapie zu laufen, dafür reicht es allerdings noch nicht. Vor allem das rechte Bein ist noch zu schwach und lässt sich nur nachziehen.

Mit dem Fahrrad wäre es leichter, diese Entfernung zurück zu legen. Doch ohne das Rad ist Kai auf den E-Rollstuhl angewiesen, in dem er nur passiv rumsitzen und nichts trainieren kann. Und – das ist für Kai noch schlimmer – er symbolisiert für Kai die schlimmste Zeit nach seinem Schlaganfall vor fast zwei Jahren, als er sich allein noch gar nicht helfen konnte. Es soll doch weiter bergauf gehen!

Was können wir tun?

Als Raja in Kais Facebook-Profil von dem Problem erzählt, wird der Vorschlag gemacht, doch einfach nochmal zu sammeln. Schließlich hat es bei #einBuchfuerKai schon soviel Unterstützung gegeben und diesmal könnte Kai es sogar live miterleben. Aber einfach so sammeln…? Leider können wir Johannes Korten nicht mehr um Rat fragen. Was hätte er wohl gesagt?

Da ich einige paralympische Sportler persönlich kenne, rufe ich meinen Bekannten Holger Nikelis an, für den ich vor über 10 Jahren eine Zeit lang die Öffentlichkeitsarbeit gemacht habe. Der zweifache Paralympicssieger im Rollstuhltischtennis hat inzwischen sport-grenzenlos, eine gemeinnützige GmbH gegründet, mit der er über sportliche Aktivitäten den Behindertensport und die Inklusion von Menschen mit und ohne Behinderung fördert. Vielleicht hat er ja eine Idee, was man in so einem Fall tun kann?

Leider bestätigt uns Holger zunächst auch, dass da über die Krankenkasse nichts zu machen ist. „Aber wir könnten ein Crowdfunding veranstalten“, sagt er und schlägt vor, sich der Sache mit sport-grenzenlos anzunehmen. Als Plattform dafür schlägt er fairplaid.org vor. Raja und vor allem Kai sind von der Idee begeistert und ein Hashtag für die Aktion ist schnell gefunden: #einRadfuerKai

Das Abenteuer beginnt

Da noch keiner von uns jemals ein Crowdfunding veranstaltet hat, müssen wir uns zunächst informieren. Holger nimmt an einem Seminar für Crowdfunding-Veranstalter teil und Raja geht mit Kai nochmal zu dem Fahrradhändler, um Fotos zu machen. Zusammen mit Holger denken wir uns Prämien für die Spender aus, an denen sich Kai selbst beteiligen kann, damit er den Spendern – soweit es ihm eben möglich ist – auch etwas zurückgeben kann. Schließlich bereiten wir die Crowdfunding-Seite vor und Holger beantragt die Freigabe beim Plattform-Betreiber.

Diese Freigabe erfolgt nun am Dienstag, 28. März 2017.
Das Crowdfunding wird für zwei Wochen laufen und zwar unter

https://www.fairplaid.org/#!einradfuerkai

Wer in den sozialen Netzwerken dafür trommeln möchte, kann dazu diesen Artikel hier mit dem Hashtag #einRadfuerKai weitersagen, oder den Hashtag bei eigenen Beiträgen nutzen.

Unsere Aufregung ist groß. Werden wir es schaffen, Kai seinen Traum vom Fahrrad zu erfüllen?