„Scorpion!“ schwärmt Kai und zeigt mir ein Foto von einem Fahrrad, in dem man halb sitzend, halb liegend unterwegs ist. Bei einem Fahrradhändler in der Nähe haben Raja und er das Gefährt entdeckt und auch schon ausprobiert. „Mit links steuern, rechts Bein fest machen, dann auch bewegen!“, erklärt mir Kai den Clou an dem Modell. Das bedeutet: Im Gegensatz zu einem normalen Fahrrad kann er so ein Modell auch mit seiner halbseitigen Lähmung rechts  eigenständig benutzen und dabei noch beide Beine trainieren. Denn, wenn er mit dem linken tritt, bewegt sich das rechte mit. Zum Steuern braucht er nur die linke Hand, die rechte kann er in den Schoß legen.

„Mehr Unabhängigkeit!“ würde so ein Fahrrad für ihn bedeuten, seufzt er. Und „Training draußen“ an der frischen Luft, statt drinnen vor dem Fernseher mit dem Heimtrainer. Aber das Rad samt passendem Zubehör und individueller Anpassung auf den 1,90m großen Kai zu finanzieren, ist teuer und die Krankenkasse zahlt sowas nicht…

„Die finanzieren lieber einen um einiges teureren elektrischen Rollstuhl, mit dem er zwar von A nach B kommt, aber nicht selbst beweglicher wird“, erzählt Raja. Und das, nachdem sich Kai nach fast zwei Jahren schon so viel Eigenständigkeit zurückerobert hat, dass er kurze Strecken zu Fuß alleine zurücklegen und auch mal ein bisschen was einkaufen oder seinen jüngsten Sohn vom Hort abholen kann. Um zur Therapie zu laufen, dafür reicht es allerdings noch nicht. Vor allem das rechte Bein ist noch zu schwach und lässt sich nur nachziehen.

Mit dem Fahrrad wäre es leichter, diese Entfernung zurück zu legen. Doch ohne das Rad ist Kai auf den E-Rollstuhl angewiesen, in dem er nur passiv rumsitzen und nichts trainieren kann. Und – das ist für Kai noch schlimmer – er symbolisiert für Kai die schlimmste Zeit nach seinem Schlaganfall vor fast zwei Jahren, als er sich allein noch gar nicht helfen konnte. Es soll doch weiter bergauf gehen!

Was können wir tun?

Als Raja in Kais Facebook-Profil von dem Problem erzählt, wird der Vorschlag gemacht, doch einfach nochmal zu sammeln. Schließlich hat es bei #einBuchfuerKai schon soviel Unterstützung gegeben und diesmal könnte Kai es sogar live miterleben. Aber einfach so sammeln…? Leider können wir Johannes Korten nicht mehr um Rat fragen. Was hätte er wohl gesagt?

Da ich einige paralympische Sportler persönlich kenne, rufe ich meinen Bekannten Holger Nikelis an, für den ich vor über 10 Jahren eine Zeit lang die Öffentlichkeitsarbeit gemacht habe. Der zweifache Paralympicssieger im Rollstuhltischtennis hat inzwischen sport-grenzenlos, eine gemeinnützige GmbH gegründet, mit der er über sportliche Aktivitäten den Behindertensport und die Inklusion von Menschen mit und ohne Behinderung fördert. Vielleicht hat er ja eine Idee, was man in so einem Fall tun kann?

Leider bestätigt uns Holger zunächst auch, dass da über die Krankenkasse nichts zu machen ist. „Aber wir könnten ein Crowdfunding veranstalten“, sagt er und schlägt vor, sich der Sache mit sport-grenzenlos anzunehmen. Als Plattform dafür schlägt er fairplaid.org vor. Raja und vor allem Kai sind von der Idee begeistert und ein Hashtag für die Aktion ist schnell gefunden: #einRadfuerKai

Das Abenteuer beginnt

Da noch keiner von uns jemals ein Crowdfunding veranstaltet hat, müssen wir uns zunächst informieren. Holger nimmt an einem Seminar für Crowdfunding-Veranstalter teil und Raja geht mit Kai nochmal zu dem Fahrradhändler, um Fotos zu machen. Zusammen mit Holger denken wir uns Prämien für die Spender aus, an denen sich Kai selbst beteiligen kann, damit er den Spendern – soweit es ihm eben möglich ist – auch etwas zurückgeben kann. Schließlich bereiten wir die Crowdfunding-Seite vor und Holger beantragt die Freigabe beim Plattform-Betreiber.

Diese Freigabe erfolgt nun am Dienstag, 28. März 2017.
Das Crowdfunding wird für zwei Wochen laufen und zwar unter

https://www.fairplaid.org/#!einradfuerkai

Wer in den sozialen Netzwerken dafür trommeln möchte, kann dazu diesen Artikel hier mit dem Hashtag #einRadfuerKai weitersagen, oder den Hashtag bei eigenen Beiträgen nutzen.

Unsere Aufregung ist groß. Werden wir es schaffen, Kai seinen Traum vom Fahrrad zu erfüllen?