Rätselhafte Jugend

cimg0443Was für ein herrlicher Tag! Die Sonne scheint, es ist warm, Vöglein singen, Bienen summen, und unsereiner ist schwer versucht ein Apfelbäumchen zu pflanzen, Eier zu legen, Prinzen zu zeugen, Bäume auszureißen (Bedenken: beißt sich eventuell mit Plan A), oder großväterliche Spottklischees hinsichtlich Ausdrucksform und -weise der ‘Jugend von Heute’ zu verbreiten.

Denn wenn die Vertreter der uns nachfolgenden Generationen auch noch immer nicht dauerhaft Amok laufen, so arbeiten sie ihre destruktiven Energien an unserer geliebten Mutterzunge ab, um diese zu zerstören und in den rauchenden Trümmern satanische Messen zu zelebrieren. Heimlich treffen sie sich in nebligen Häfen und zerren säckeweise die unaussprechlichen Schrecken von jenseits des Großen Teiches auf glitschige Kaimauern, um sie hernach unters wehrlose Volk zu streuen. Die Ziele ihrer Mission sind ähnlich gestrickt wie jene, die wir seinerzeit verfolgten, nämlich unsere Altvorderen über totale Unverständnis in den Wahnsinn zu treiben. Wovon ich spreche? Dies:

Gestern kam mein Sohn zu mir und bat mich um einen nicht unerheblichen Geldbetrag.

“Nanu?”, fragte ich. “Wofür benötigst du derartige Summen, mein Sohn?”

“Fürn MP3-Player!” (Übersetzung*: “Für ein digitales Musikabspielgerät, Vater!”)

“Mich deucht, darauf spartest du schon länger, mein Sohn.”

“Nnnhhh.” (“Ja, Vater!” *)

“Und vermeldetest du nicht just vorgestern, den erforderlichen Betrag erspart zu haben?”

“Nnnhhh.” (“So ist es, Vater!” *)

“So sprich: Was ist geschehen?”

Das war nicht fair. Er wollte die neuen Features haben. Ist nicht meine Schuld, dass ihm die Harddisk gecrasht ist. Okay, Download kam von mir, aber er wollte doch sein Laptop gepimpt haben. Kurz vor der Disco war das natürlich uncool und ohne Backup auf dem Stick wär’ dissen ohne Ende angesagt. Ich also ‘ne neue Disk rangeschafft. Cash is’ weg, klar. Aber besser gut geshoppt als phatt Stress mit den Homies.” (Äähhh… **)

Ich habe ihm das Geld gegeben, weil ich auf keinen Fall wollte, dass er Stress mit seinen Homies bekommt, phatt hin oder her. Dabei spare ich seit geraumer Zeit auf eine Japan-Reise, um Edo-Sushi bei den alten Meistern zu essen. Aber vielleicht muss ich das gar nicht mehr. Bill Murray verstehe ich jetzt immerhin.

Und um den ursprünglichen Gedanken nicht aus den Augen zu verlieren, hier noch ein Rat an die Jugend: Redet wie euch der Schnabel gewachsen ist! Wer es nicht fertig bringt, im Falle von Unverständnis nachzufragen, was ihr mit euren Worten zum Ausdruck zu bringen gedenkt, der ist euren Schall nicht wert!

Das gilt natürlich auch umgekehrt…

* Die exklusiv für diesen Blog angefertigten Übersetzungen sollen älteren Menschen helfen, die Welt um sie herum besser zu verstehen. Ältere Menschen verstehen nämlich grundsätzlich nichts, was sie nicht selber schon einmal gesagt haben. Das ist eine Tatsache, ebenso wie die, dass Onanieren das Rückenmark schädigt.

**So zu tun, als würde ich das nicht verstehen, ist natürlich affektiertes Gehabe. Mein Sohn hat einem technisch minderbemitteltem Freund ein dubioses Programm zwecks Erweiterung der Funktionalität dessen Computers aus dem Internet heruntergeladen. Vor der Installation jenes Programms war er noch so umsichtig, eine Sicherungskopie wichtiger Daten auf einem Speicherstäbchen anzufertigen. Umsichtig deshalb, weil die Festplatte in des Bekannten tragbarem Rechner den Aktualisierungsvorgang nicht überlebte. Zu allem Übel war der Freund nicht nur inkompetent, sondern auch von mindestens ebenso dubiosem Charakter wie das Programm, denn er drohte meinem Sohn mit Liebesentzug durch den gesamten Freundeskreis, sollte mein Sohn ihm die Festplatte nicht ersetzen. Undank ist der Welt Lohn.


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