Leben und Sterben in Limburg/Lahn

Heute gibt’s ein wenig Lyrik, weil ich zu aufgewühlt bin, um mich mit den Vorschlägen des französischen Präsidentendarstellers zur Kontrolle des Internets zu beschäftigen. Dazu kommen wir dann später.

I – Frühling

Ich stand in Limburg an der Lahn,
tropfnass im Eingang einer Pinte
– verfluchend jenen Wettermann,
der mich gefoppt mit seiner Finte –
wo ich Helene gleich erblickte,
die ohne männliche Begleitung
im Wirtshaus las in einer Zeitung,
anstatt dass sie daheim was strickte.
Fromm war sie nicht, das sah ich gleich,
vom Nachtleben die Haut ganz bleich,
doch Augen wie ein scheues Reh
im Blendlicht eines LKW.
Sie lächelte, ich tat es auch,
ein wohliges Gefühl im Bauch.

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Senhor Bin Laden

Die Welt vor und in 50 Jahren

Es ist an der Zeit, einen abenteuerlichen, wenn nicht gar unpopulären Essay, in dem dargelegt wird, warum Osama Bin Laden zu exekutieren genau so Scheiße ist wie José Mourinho gut zu finden, zu verfassen. Ich erkläre mich hiermit bereit und lege mal los.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Ich fand Osama Bin Laden nicht ansatzweise okay, noch fand oder finde ich okay, was er so alles verbrochen hat. Auch scheint mir plausibel, dass er, nachdem er es ja wohl in aller Öffentlichkeit zugegeben hat, tatsächlich für die Gräueltaten vom 11. September 2001 verantwortlich zeichnet (es sei denn, er hat es auch erst im Fernsehen mitbekommen und vor Freude in die Patschehändchen geklatscht, bevor er sein Kamerakind herbeirief.) Ich wohnte krankheitsbedingt der Fernsehliveübertragung an jenem Tag bei und begann damals schon zu grübeln, ob sich daraus etwas Gutes für die Zukunft ableiten lassen können würde. Den Gedanken verwarf ich aber schnell wieder, spätestens nach der Ansprache von Johnny Walker Bush, in der es darum ging, dass die Afghanen dem Westen die Freiheit neideten und ihn deswegen überfielen. Ich will an dieser Stelle darauf verzichten zu belegen, warum der auch in Fankreisen als leicht schwachsinnig wahrgenommene Ex-Präsi der US of A sich in Register und Wahrheit vergriffen hat und verweise auf die Schriften Noam Chomsky’s zu diesem Thema. (Mir ist übrigens zu Ohren gekommen, es gebe Leute auf diesem Planeten, die Noam Chomsky unterstellen, nicht ganz richtig im Kopf zu sein. Die Vorstellung, so jemandem zu begegnen, empfinde ich als atemberaubend peinlich).

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#undercover @re:publica XI – 3

Die Zukunft der Menschheit

Habe geträumt, dass die Reise per Materietransporter von Oldenburg nach Berlin nur eine halbe Stunde länger dauert als mit dem ICE. Schlimmer noch als beim Fliegen muss man durch irgendwelche Securitychecks, damit man nicht versehentlich oder aus terroristischer Absicht heraus nicht beambares Material wie Antimaterie oder eine Halbliterflasche Bonaqua bei sich führt. Nach dem Beamen muss man in eine Abkühlkammer, wo man mit anderen Reisenden darauf wartet, dass die gestressten Elektronen wieder ihren Standardorbit einnehmen. Ich will mein Fliwatüt.

Der Beginn des zweiten Tages findet nahtlos den Anschluss an die Perturbationen des Vortags. Ich hatte mich für Vorträge zum Thema Jugendkultur, Spiele und #gamification entschieden, weil das so klang, als könnte das interessant sein. War’s aber nicht. Erstens war auch hier Ariadne im Labyrinth des Minotaurus Mutter des Fadenziehens und nicht die rote Zora, zweitens, noch viel schlimmer, schienen die Vortragenden von der Beziehung zwischen ihrem Vortragsthema und der digitalen Gesellschaft erstaunlich wenig zu ahnen. So plätscherte die re:publica bis zum Mittag des zweiten Tages vor sich hin, bevor sie unerwartet an Fahrt und Substanz aufnahm.

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#undercover @re:publica XI – 2

Der König mit der roten Krone

Im Nordwesten der Republik dämmert ein wunderschöner Tag heran, in Berlin begrüßt mich grauer Regen, der den Schmutz auf den Straßen gerechter zu verteilen sucht, wie es sich für eine Hauptstadt gehört. Gewaltige Schlangen bei der Akkreditierung im Friedrichsstadtpalast, das WLAN ebenso hoffnungslos überbucht wie UMTS, Namensschilder müssen noch per Stift (!) um das Twitter-Pseudonym ergänzt werden – die digitale Gesellschaft schwelgt in Nostalgie und leidet fröhlich unter der technologischen Unterversorgung durch die Kommunikationsgiganten (wie viel Geld haben die noch gleich für die UMTS-Frequenzen rausgeworfen? Nur damit gerade mal das Einchecken über foursquare funktioniert?). So nimmt es nicht Wunder, dass der Netizen in mir eine bissige Anamnese der Inkongruenz zwischen den Wahnvorstellungen des Marketing und der tristen Wahrheit des mobilen Zeitalters erwartet. Was stattdessen kommt, lässt mich ratlos zurück: ein Vortrag zu Design Thinking! „Design ist zu wichtig, um es Designern zu überlassen“, sagt der vortragende Designer. Das hat die Wucht und Präzision, als würde Sigmar Gabriel sagen, Politik sei zu wichtig, um sie Politikern zu überlassen. Oder unser Sonnensystem sei zu wichtig, um es der Sonne zu überlassen. Das könnte George W. Bush gesagt haben. Weiß ich aber nicht genau. Ist auch egal.

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#undercover @re:publica XI – 1

Wo die Medienfröschlein wohnen...

Wenn man ganz kurzfristig ein Ticket für eine Veranstaltung bekommt, von der man so im Großen und Ganzen eher noch gar nichts mitbekommen hat, außer der Berichterstattung der latent überforderten Endzeitmedien, dass es sich um das Treffen einer Gruppe Verrückter handele, die einmal im Jahr gen Berlin pilgern – so sie denn nicht ohnehin zur Digital Bohème zählen, die dort ja exklusiv ansässig ist – um ihrem Guru zu huldigen, dann sollte man sich besser informieren und sich medial auf ein nicht allzu peinliches Niveau hieven.

Was gehen da bloß für Leute hin und wer ist dieser eigenartige Mann mit der Oberlippenmatte und der befremdlichen Anbiederungsfrisur, den man für den Anführer dieser Leute hält und über den der SPIEGEL so gerne schreibt? Dass der Sascha Lobo genannt werden möchte, habe ich schon mitbekommen, auch, dass er ständig von den Endzeitmedien zu allen möglichen das Internet betreffenden Dingen verhört wird, wohl weil die Medienfröschlein ihn sich wegen seiner markanten Frisur besonders gut merken können. Ich habe einmal ein Interview mit ihm auf Funkhaus Europa gehört, wo er irgendwas über Facebook erzählt hat, im Sinne von, dass es da auch Fake gebe, weswegen das aber trotzdem ein Marketing-Instrument sein könnte, oder so ähnlich. Vielleicht ging’s auch um Ägypten – ich hab nicht richtig zugehört. Aber ich mochte seine Stimme. Die hatte ein recht angenehmes Timbre.

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