Die Enttäuschung sitzt tief…

Bianca hat auf ChiliConCharme zu einer Blogparade aufgerufen. Wie könnte ich mich dem entziehen?

„Wir müssen begreifen, warum digitale Vernetzung nicht in die Demenz führt, sondern Teil der Lösung all unserer Probleme ist, warum sie dafür die Lernrealität der Kinder durchdringen muss und warum unser gegenwärtiges Bildungssystem das nicht leisten kann. Und natürlich auch, wie wir es richtig machen müssen.“

Das ist die von mir ausgedachte Motivation für ein Publikum, meinem Vortrag zu lauschen. Ist das nicht genug? Wieso darf ich nicht? Was ist an meinem Vortrag nicht veranstaltungstauglich? Warum passt er nicht ins Programm?

Meine Vortragseinreichung Systemische Demenz – Bildung hat keine Zukunft ohne digitale Vernetzung für die re:publica 13 ist abgelehnt worden. Ein Vortrag, dessen Konzipierung bereits vor einigen Jahren mit wichtigen Überlegungen begonnen hat, mit Beobachtungen, wie wir die Probleme unserer gemeinsamen Zukunft in den Schulen produzieren, anstatt dort für das Lösen von Problemen befähigt zu werden. Ein Plädoyer für eine Bildung 2.0, die unsere Sinne schärft, die uns zeigt wie wir uns miteinander vernetzen, wie wir neue Algorithmen finden anstatt die Produkte längst vergangener Projekte wahllos auswendig zu lernen. Oder mit den Worten der Einreichung:

„Ob Manfred Spitzer oder Thilo Sarazzin (oder vor vielen Jahren Peter Hahne) – der Kampf um gesellschaftliche Deutungshoheit zeigt, dass die Verdammung neuer Technologien und Verhaltensmuster unsere ganze Gesellschaft kollektiv in die analoge Demenz stürzen wird. Alle Bildungsreformen der letzten Jahrzehnte, die sich um den Aufbau irgendwelcher Schlüsselqualifikationen und Kernkompetenzen drehen sollten sind komplett gescheitert. Unser Bildungssystem ist nicht mehr reformierbar, es muss kernsaniert werden – oder schlicht neu gebaut. Dieser Vortrag zeigt, wie unsere Schulen als Folge debiler Bildungspolitik unsere Kinder aktiv daran hindern, Kompetenzen für Problemlösungen aufzubauen, indem die Verwendung sinnvoller Techniken und Technologien zur Vernetzung als Medienkompetenz diffamiert wird. Statt die Debatte über curriculare Gleichschaltung zu führen, müssen wir ideologiefreies wie auch vernetztes Denken fördern. Und zwar schnell.“

Natürlich verstehe ich, dass aus der Menge der Einreichungen irgendwelche ausgesucht werden müssen und dass die eigene Überzeugung, eine passende, großartige Einreichung beisteuern zu können, keine Garantie dafür sein kann, die Wahrnehmungsrealität des Kuratoriums – oder wer auch immer die Vorträge aussucht – zu erreichen, zu durchdringen, zu überzeugen oder überhaupt anzusprechen. Aber was kann man denn tun, damit das gelingt? Selbst die Kernthese deutet auf etwas Signifikantes hin: „Unser Bildungssystem ist nicht mehr reformierbar, es muss, getreu dem Motto der re:publica, IN/SIDE/OUT gedreht werden. Ohne ideologiefreies und vernetztes Denken zu fördern, werden unsere Kinder die Lösungen zu den globalen Problem unserer Zeit nicht entwickeln können.“

Es geht um nicht weniger als einen großen Gesellschaftsentwurf, eine neue gemeinsame Vision, ein, wie ich bislang gedacht habe, Kernthema der re:publica. Vielleicht ist es das ja auch und ich habe mich nur strunzdoof ausgedrückt. Vielleicht fehlt mir die nötige Distanz und Reflexionsfähigkeit das richtig einzuschätzen. Ich wünschte, irgendwer könnte mir das sagen.

Vielleicht liegt es daran, dass mir das Thema so sehr am Herzen liegt und ich vollkommen davon überzeugt bin, dass eine ganz neue Bildung der einzige Ausweg aus den immer komplexer werdenden Problemen unserer Zeit ist. Und eigentlich rührt diese tiefe Enttäuschung über die Ablehnung daher, dass sich erstens an dieser Überzeugung  nichts geändert hat und dass ich nicht weiß, wer warum entschieden hat, dass mein Vortrag nicht ins Program passt. Es ist diese Intransparenz, die der von der Veranstaltung gefeierten Transparenz entgegensteht. Ich glaube, es es ist diese nicht aufgelöste Spannung, die mich verrückt macht.

Am besten fahre ich im Mai wieder hin und versuche das herauszubekommen.

 

 

4 Gedanken zu “Die Enttäuschung sitzt tief…”

  1. Das gibt’s doch nicht. Falls du diesen Vortrag dennoch irgendwo halten solltest, könnte ich eine Busladung interessierter Personen (inklusive mich) liefern lassen.
    Wie schade…

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