Der Faktencheckadigga tweetet Plumperquatsch

Hurra! Endlich ist die Idee des Fernsehduells so verdorben, dass sie auch bei uns mehr und mehr Fuß zu fassen vermag. Sogar die eher subnationale B-Prominenz der Ministerpräsis und Provinzbürgermeister darf sich gegenseitig auswendig gelernte parteiprogrammatische Floskeln aufsagen. Und wie es unsere moderne Welt so will, wird dieser belanglose Quatsch auch noch per Twitter von SM-affinen Parteisoldaten derart zum politisch relevanten Event hochgejazzt, dass mir beinahe das Smartphone ins Klo gefallen wäre. (Keine Sorge, verehrte Follower, ich schreibe nichts auf dem Klo, ich lese dort nur. Meine Tweets und Blogeinträge sind klofrei).

Dabei wurde immer wieder auf eine Seite verwiesen, die merkwürdigerweise ndsfakten.de heißt, aber nur eine Sammlung langweiliger Meinungen, Ansichten und Realitätsverzerrungen enthält, die von einem aufklärerischen, protoplasmatischen Ridiculum namens „Faktencheck“ dorthin gekleistert werden. Alles recht bizarr aber irgendwie auch sympathisch symptomatisch für den politischen Diskurs. Da ich mich ja bereits dazu bekannt habe, die Parteien mit erzählerischer Missachtung zu geißeln, ist das Alles ja folgerichtig kein Thema für diesen Blog. Stimmt, wäre da nicht dieser eine Tweet gewesen, der ungefragt und unbedarft in mein Reich einzudringen wagte. Nämlich dieser hier:

Jung, dynamisch, engagiert – der Faktencheckadigga möchte Alles sein und ist doch nichts von Allem.

Echt? Echt nicht? Inhalte? Was soll das heißen? Was soll das bedeuten? Will die Politik über weitere Unterrichtsinhalte reden? Welche Klassiker gelesen werden müssen? In welchem Jahr? Wie man diese Klassiker reklamgerecht zu interpretieren hat? Soll es darum gehen, was Lehrer zu welchem Zeitpunkt während einer Unterrichtsstunde zu sagen haben? Oder geht es um Inhalte, die Dietrich Schwanitz‘ Lenden wonnevoll vibrieren ließen im Halbfinale von Wer wird Promi-Millionär?

Ich höre besser mal auf zu fragen bevor mir die Bits ausgehen. Denn natürlich geht es nicht um Inhalte sondern um die gleich lautende politische Phrase. Es ist ja Wahlkampf, da wird das Hirn abgeschaltet und die Testosteron-Zufuhr erhöht, damit man kraftvoller knurren und eventuell sogar zubeißen kann. Andernfalls würde nämlich auffallen, dass eine Schulstrukturdebatte tatsächlich ein valider bildungspolitischer Inhalt ist. Man möchte da aber nicht drüber sprechen, weil man sich ideologisch festgelegt hat, wie es übrigens bei allen Parteien zu den meisten Themen der Fall ist. Leider gibt der Faktencheckerdigger das nicht zu, sondern wirft es lieber der Gegenseite vor und behauptet, man sei dort auf Gleichmacherei aus, von wegen Sozialismus oder so.

Und da sage ich: Hörma‘, Digga. Allen kleinen Menschlein die gleichen Chance zu geben ist nicht schlimm und schon mal gar kein Sozialismus, was du im Übrigen auch gar nicht meinst, sondern eher wettbewerbsfeindlichen Antikapitalismus, aber der isses auch nicht, Digga. Allen kleinen Menschen den gleichen belanglosen Content in die Rübe stopfen zu wollen, nur damit man es am liebsten weltweit vergleichen kann, wie der einzelne kleine Mensch da so abschneidet in diesem globalen Curriculumauswendiglernwettbewerb ist dagegen Gleichmacherei par excellence, intellektueller Plumperquatsch, sozusagen. Und wir sollten uns über Eines im Klaren sein: dies ist die mit Abstand destruktivste Form der Gleichmacherei, die angeblich in den Kreisen, die diese Eingriffspolitik in die persönliche Entwicklung aller Bürger so sehr verdammt, unglaublich verpönt ist.


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